More than a dream?
Mit der heutigen Inauguration von Barack Obama als 44. Präsident der Vereinigten Staaten erreicht die “Obamania” einen neuen Höhepunkt. Kaum jemand kann sich dem Zauber des Moments entziehen, kaum jemand hat bei dem historischen Moment der ersten Angelobung eines schwarzen Präsidenten nicht kurz den Atem angehalten: Ist es wirklich passiert? Auch mir als Konservativem ist es da nicht anders gegangen.
Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht: Trotz Rassenhaß, nach Jahrhunderten Unterdrückung der Schwarzen, steht nun ein Afroamerikaner an der Spitze der USA. Er steht für “Change”, steht für Hoffnung, steht dafür, dass der amerikanische Traum, in dem alles möglich ist, nach wie vor lebt.
Was aber kann Barack Obama wirklich bewegen? Wird es in den USA einen radikalen Wandel zum Besseren geben? Wird überall auf der Welt dank Barack Obama Frieden ausbrechen? Ist es das Ende von Rassenhaß und Armut?
Barack Obama gilt als der große Heilsbringer. Wunder wirken kann freilich auch er nicht. Rein faktisch betrachtet hat er sogar einen veritablen Fehlstart hingelegt. Seine einzige Amtshandlung bisher war die Nominierung seiner Regierung – die zu einem Bauchfleck wurde. Der Handelsminister hat seine Nominierung wegen eines Spendenskandals zurückgelegt – Obama konnte bisher keinen Nachfolger nennen. Und ausgerechnet der designierte Finanzminister hat Probleme wegen nicht bezahlter Steuern. Doch das kann die Obamania nicht trüben.
Und abgesehen davon, dass jeder Fehler machen kann: Es sind (noch) nicht seine politischen Entscheidungen, die entscheidend sind. Es ist die Symbolkraft, die Aura, die Obama ausstrahlt. Obama steht für Aufbruch, für Wechsel, dafür dass alles möglich ist. Er gibt den Menschen jene Hoffnung und jenen Optimismus, den sie in der momentanen Krise so dringend brauchen. Und es ist genau jener psychologische Moment, der in der Wirtschaftskrise den Turnaround bringen kann.
Bleibt zu hoffen, dass Obama im historischen Rückblick auch mehr bewirkt haben wird: Ein sozialeres Amerika, das für alle eine Gesundheitsversorgung bietet. Ein friedvolleres Amerika, das den Feinden von einst die Hand reicht. Und letztendlich eine Welt, in der es nicht nur normal ist, dass ein Staatschef auch schwarz sein kann – sondern in der Hautfarbe oder Geschlecht eines Politikers egal sind; eine Welt, in der Politiker ausschließlich nach ihren politischen Überzeugungen und Visionen beurteilt werden.

Interessante Links:
- Inaugurations-Rede Obamas im Original bei CNN
- Übersetzung der Rede auf rigardi.org
- whitehouse.gov in neuem Obama-Look
Blogs aus Österreich:
- Marco Schreuder
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Blogs aus den USA:




warum europa wohl so euphorisch ist… wir österreicher sind nicht einmal nato-mitglied und transatlantische beziehungen findet man gerade als fremdwort in einem skript der politikwissenschaften… however, in seiner antrittsrede kam das wort europa überhaupt nicht vor… so europäer bleibt cool… die usa hat andere und wichtigere interessen zu verteidigen…
Wie gesagt, ich halte das Ganze für eine Frage der Psychologie
[...] Zur Inauguration Anfang 2009 habe ich hier im Blog die Hoffnung betont, die Barack Obama in der ganzen Welt ausgelöst hat, das Charisma, das seine Wahl zu einem unvergleichlichen Signal gemacht hat, die Symbolkraft, die der erste Schwarze an der Spitze der USA auch außerhalb Amerikas besitzt. Doch schon damals habe ich kritisch bemerkt, dass es auf die Taten des neuen US-Präsidenten ankommen wird. Und Obama hat schon im ersten Jahr alle auf der ganzen Linie enttäuscht. Guantanamo ist nicht geschlossen. Statt den Klimagipfel durch neue und ernstgemeinte Bemühungen der USA zu bereichern oder gar zu retten, bejubelt der US-Präsident ein Ergebnis, das eigentlich ein völliges Scheitern ist. Und nach nicht einmal einem Jahr Obama kommt es zum ersten versuchten Terroranschlag auf die USA. Doch während George W. Bush dafür gescholten wurde, dass er bei 9/11 mehrere Minuten gebraucht hat, um zu reagieren, urlaubt Obama auch nach über einer Woche ungestört weiter auf Hawaii – obwohl seine Mitarbeiter auf der ganzen Linie versagt haben. [...]