Mehr Service – weniger Filialen?
Die Post versucht sich derzeit an der Quadratur des Kreises. Ein Zusperren von 300 Postämtern wird – dank 450 noch zu suchender neuer Postpartner – als mehr Service verkauft. Es mag auf den ersten Blick zynisch klingen, wenn es mehr Service bringt, je weniger eigene Filialen eine Firma anbietet. Doch was steckt wirklich dahinter? Laut Post-Homepage muss ein Postpartner Folgendes anbieten:
- Annahme von Briefsendungen, Paketen, EMS-Sendungen, Info.Mail und Info.Post
- Abgabe von Briefsendungen, Paketen, Geldanweisungen
- Verkauf von Briefmarken, Postkarten sowie Postboxen
- Standard-Bankdienstleistungen wie Zahlungsverkehr, Ein- und Auszahlungen zu PSK BANK Konten, Sparbüchern und Übernahme von Überweisungsaufträgen zu PSK BANK Konten
- Vermittlung von Bankdienstleistungen an PSK BANK
- Verkauf von Telekom Produkten
Also werden auf den ersten Blick alle Leistungen einer Postfiliale angeboten. Noch dazu gibt´s keine Mittagspause und Samstagsöffnung. Warum also nicht gleich alle Postämter in Postpartner umwandeln?
Auf der anderen Seite gibt es viele offene Fragen, etwa:
- Was passiert mit den Angestellten der geschlossenen Filialen? Werden auch Sie jetzt einfach “rausgemobbt”?
- Was passiert mit der Postversorgung, wenn ein Postpartner schließt?
- Können einfach Greißler ohne umfassende Schulung wirklich bei Telekom-Produkten mit komplizierten Internet-Technik-Fragen und bei heiklen Bankgeschäften entsprechend beraten?
Auch das sind Fragen, die geklärt werden müssen, ehe der Mehrheitseigentümer, die Republik Österreich, zustimmen darf. Infrastrukturministerin Doris Bures muss für eine Klärung dieser Fragen sorgen und dafür, wieviel Staat und wieviel Privat unsere Postversorgung verträgt bzw. braucht.
Was haltet Ihr davon? Ich freue mich auf Eure Postings und – erstmals – auf Eure Votings:
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Diese Umfrage läuft bis Sonntag, Abstimmen ist einmal täglich möglich.




Es gibt sicher auch fähige Postmitarbeiter, aber sorry in den Filialen sitzen die nicht. Dort wird nämlich systematische Arbeitsverweigerung betrieben. Deswegen kann es nur besser werden.
Also da kenn ich etliche andere Beispiele. Ich glaub, dass kann man nicht so generalisiert sagen – aber in vielen Fällen hast Du sicher recht!
Also dass die Post so nicht überlebensfähig ist, ist denk ich jedem klar. Wenn der Staat oder eine Gemeinde eine Post wo haben will, dann muss das eben finanziert werden. In wenigen Jahren ist das Monopol weg und dann wirds gscheit krachen im Gebälk.
Meiner Meinung nach wäre es schon mal besser wenn die Post sich auf die Kernkompetenz konzentriert, und das ist eben Brief / Post und nicht Internet, Cds, Lebensversicherungen und sonstigen Käse anzubieten.
Für kleine Orte wirds halt bitter, weil dann stirbt eben wieder was weg und es gibt wieder ein leeres Haus mehr, zB siehe http://www.gosaunet.at/gosau/news/postamt-in-gosau-auf-der-schliessungsliste-3-maerz-2009.html
Das Ortsbild wird leiden, die Bevölkerung macht noch mehr Geschäfte in den nächsten Städten und eins ergibt das andere. Dass das aber nicht das Problem der Post sein kann ist meine Meinung. Dass das ganze nicht unerwartet ist, ebenso.
Viel mehr auf den Geist gehen mir die Gewerkschafter in dem Fall
Die Debatte ist verlogen. Es muss jedem Politiker klar gewesen sein, was die Liberalisierung des Marktes für Konsequenzen für die Post haben wird. Die Politik hat diese Entscheidung gefällt, also muss sie auch jetzt die Konsequenzen dafür mitverantworten und sich von polemischer Protektionspolitik lösen. Zur Gewerkschaft will ich in diesem Zusammenhang gar nix sagen.
Ich habe durch Vereinsarbeit als Schriftführer viele Postämter mit Massensendunge n besucht und eins weiß ich gewiss – es war immer ein wenig anders :D.
Die Wiener Postämter sind tendenziell etwas unfreundlicher bzw widerwilliger, aber am Land (meine Empfehlung Postamt Bisamberg!) habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht.
solange wir musterschüler der eu sein wollen, alles brav liberalisieren, jahrzehntelang aufgebaute strukturen zerstören müssen, um ausländischen firmen verdienstmöglichkeiten zu schaffen, wird es wohl der einzige weg sein, den kollektiven “selbstmord” der post und anderer staatlicher bzw. ehem. staatlicher einrichtungen fortzusetzen. es gab einmal (wer erinnert sich noch?) den begriff der “staatlichen grundversorgung”. dieses prinzip wurde dem wirtschaftsliberalismus nach us-vorbild geopfert. ob das wirklich so eine gute idee ist? rudern wir nicht gerade in bestimmten bereichen – z.b. bankwesen – zurück? dennoch wird die aufgabe von staatlichen kernaufgaben in einigen bereichen weiter vorangetrieben (post, bahn, …). gerade bei der bahn zeigt das beispiel großbritannien die schattenseiten der liberalisierung. wer ist denn der gewinner der weniger-staat-mehr-privat-politik? der zettelausträger, der seit der liberalisierung flugzeutel für red mail austragen darf? die überschüssigen post-, telecom-, bahnmitarbeiter (-beamten), die in einem personalpool auf ihre pensionierung oder auf das hinaus-gemobbt-werden warten? das kann doch keiner wirklich glauben! die verdiener, gewinn(l)er sitzen doch wo ganz anders! danke für den schaden, der schon angerichtet wurde und der noch angerichtet wird! und danke für die milliardengewinne einiger weniger!