Die Wiener Zeitung hat in ihrer heutigen Ausgabe einen der größten Skandale der Nachkriegszeit in Wien aufgedeckt. Die Wiener Linien haben unter Mithilfe der Medien(!!!) systematisch schwere Unfälle und lebensgefährliche Betriebszustände vertuscht. Nun ist die Blogosphäre gefordert, so – wie es in den USA längst üblich ist – den nötigen Druck auf die Medien zu erzeugen, um das weitere Verschweigen des Falls zu verhindern.

Die genannten vertuschten Unfälle im Einzelnen (die hier als Quelle gilt, daher gilt natürlich die Unschuldsvermutung):

  • Der jüngste U-Bahn-Auffahrunfall war – entgegen der Behauptungen der Wiener Linien – nicht der erste. Schon am 6. August 2004 kam es zu einem Auffahrunfall, der damals allerdings einen Verletzten fordert. Schuld war damals Bremsversagen schuld. Ob auch beim jüngsten – ungeklärten – Unfall Bremsversagen schuld war, ist noch nicht geklärt.
  • Bei einer U3 versagten die Bremsen, der Zug raste in Folge außer Kontrolle durch zwei Stationen.
  • Am 18. Juni 1997 wurde ein Zug der Linie U1 ebenfalls durch Brems- (und Steuerungs-) Defekt zu einem Geisterzug. Der Zug raste mit 200 Fahrgästen ungebremst durch mehrere Stationen.
  • Ein führerloser Beiwagen rollte aus der Abstellhalle Ottakring und rammte einen Bus der Linie 48A. Dabei wurde eine Pensionistin verletzt.

Weitere Vertuschungsaktionen laut Wiener Zeitung (die hier als Quelle gilt, daher gilt natürlich die Unschuldsvermutung):

  • Bei Bussen ist bekannt, dass Bremsdefekte auftreten. Angeblich könnte dieser Defekt auch für den Unfall mit dem Bus der Linie 10A verantwortlich sein – und nicht der Fahrer!
  • Straßenbahnfahrer berichten, dass bei ihrem Fahrzeug immer wieder das “Gas” stecken bleibt.
  • Im laufenden U-Bahn-Betrieb kommt es immer wieder zu Totalausfällen der Brems-Systeme.

Diese Vorwürfe (ich distanziere mich aus medienrechtlichen Gründen davon) müssen lückenlos untersucht und aufgedeckt werden. Die Staatsanwaltschaft ist gefordert, hier Ermittlungen aufzunehmen.

Konkret sind folgende Fragen strafrechtlich zu untersuchen:

  • Machen sich die Wiener Linien durch Aufrechterhaltung eines Betriebs mit bekannten Defekten der Gemeingefährdung schuldig?
  • Wurde vor allem bei den Unfällen mit Personenschaden nur gegen den Fahrer, oder auch gegen die Wiener Linien ermittelt?
  • Warum wurde der verunfallte 10A von den Wiener Linien abgeschleppt (wie dies behauptet wird) – und nicht von der Staatsanwaltschaft zur Untersuchung des Vorfalls beschlagnahmt (immerhin gab es zahlreiche Verletzte)?

Untersuchungskommission gefordert
Wolfgang Gerstl hat heute in einer Aussendung die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission gefordert. Das ist höchst an der Zeit. Diese Untersuchungs-Kommission muss auch die in letzter Zeit dramatisch gestiegene Anzahl von Unfällen mit Straßenbahnen und die Fälle der mitgeschleiften Passagiere untersuchen.

Vertuschungsaktion der Medien

Bemerkenswert ist aber vor allem dieser Absatz im Bericht der Wiener Zeitung:

Pikant ist, dass die Wiener Linien den Unfall offenbar tunlichst verheimlichen wollten. In einer internen Meldung ist vermerkt, dass sich die Medien zurückgehalten hätten, “da man die tollen Errungenschaften der Stadt Wien nicht in Misskredit bringen will”.

Dieser Satz könnte 1:1 aus “Presseanweisungen” totalitärer Regime stammen.

Blogosphäre gefordert

Das heißt (wenn es stimmt) nichts anderes, als dass die Medien sich an einer konzertierten Vertuschungsaktion beteiligt haben. Solche Fälle sind aus den USA bekannt, etwa das sogenannte “Rathergate” oder der “Fall Lott“. Immer wieder haben Journalisten falsche Fakten präsentiert oder Themen oder Tatbestände verheimlicht. Erst durch das konzertierte Vorgehen der Blogosphäre wurden diese Themen dann auch von den Mainstream-Medien aufgegriffen.

Jetzt liegt es an der österreichischen Blogosphäre, das Schweigen der Medien im Skandal um die Wiener Linien zu durchbrechen.

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