Nun ist sie also fix, die “große” Koalition von SPÖ und ÖVP. Das staatspolitisch kleinste Übel, das der Wähler zugelassen hat.

Die wichtigsten Entscheidungen:

  • Koalitionsfrieden wird groß geschrieben: Bei Überstimmen wird die Legislaturperiode beendet.
  • Das gilt auch für die EU-Frage. Will Faymann den Krone-Wunsch nach EU-Volksabstimmung erfüllen, muss er dazu die Regierung sprengen.
  • Das Regierungsprogramm hat 200 Seiten. Der Schwerpunkt liegt klar in der Bewältigung der Finanzkrise. Das Regierungsprogramm im Wortlaut
  • Außenministerin Ursula Plassnik gehört der neuen Regierung auf eigenen Wunsch nicht mehr an.

Die neue Ressortaufteilung:

  • Das unpopuläre Gesundheitsressort mit der schwierigen Aufgabe der Gesundheitsreform wechselt zur SPÖ. Das Justizressort wechselt zur ÖVP. Sport- und Außen-Staatssekretariat werden gestrichen.
  • SPÖ: Bundeskanzler, Frauen, Gesundheit, Soziales & Arbeit, Verkehr, Unterricht & Kunst, Verteidigung & Sport sowie Staatssekretariat im Bundeskanzleramt und im Finanzministerium.
  • ÖVP: Vizekanzler, Äußeres, Inneres, Justiz, Finanzen, Wirtschaft& Forschung & Familie, Umwelt & Landwirtschaft sowie Staatssekretariat im Wirtschafts- und im Finanzministerium.

Entschieden wird über die Koalition am Montag in ÖVP- und SPÖ-Bundesparteivorstand, wobei Josef Pröll eine Abstimmung am Bundesparteitag nicht ausgeschlossen hat – immerhin findet die Angelobung der neuen Regierung erst danach statt.

Es ist eine Regierung des kleinsten Übels, es war die einzig mögliche (stabile) Regierungsform, die der Wähler durch sein Votum möglich gemacht hat. Und für uns, für die ÖVP, ist es trotzdem parteipolitisch gesehen die schlechteste Variante.

Aber offensichtlich gilt wieder einmal: Staatswohl geht vor Parteiwohl. In einer derart schweren Krise müssen Opfer gebracht werden. Für die ÖVP bedeutet das, dass wir – aller Wahrscheinlichkeit nach – von unserem Eintritt in eine Koalition mit der SPÖ nicht profitieren werden. Die dringend notwendige Sanierung der Partei, die über eine Regenerationsphase in der Opposition neue Kräfte hätte sammeln können, wird so irrsinnig erschwert.

Das erinnert doch frappant an die Situation im Jahr 2000. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich bei der Demonstration der JVP Wien vor dem Bundesparteivorstand auf der Politischen Akademie mitgemacht habe, um gegen die Neuauflage der Großen Koalition zu protestieren. Auch damals war der Widerstand in der Partei gegen eine große Koalition massiv, und schlußendlich doch erfolgreich.

Würde ich heute wieder gegen die Große Koalition demonstrieren, wenn ich nicht in der Bundespartei arbeiten würde? Ich glaube nicht. Denn es ist alles eine Frage der Alternative. Damals war die Alternative Schwarz-Blau. Damals war die Zeit reif dafür, etwas Neues auszuprobieren. In der heutigen Krise wäre es fast schon unverantwortlich, auch innenpolitisch eine instabile Konstellation zu riskieren, sei es jetzt mit Dreier-Koalitionen oder einer roten Minderheitsregierung. Nein, 2008 ist nicht 2000.

Natürlich ist das meine persönliche Meinung. Natürlich gäbe es aus Parteisicht aus genug Gründe gegen Rot-Schwarz. Und natürlich werden viele dieser Koalition kritisch gegenüber stehen, von der ÖVP Steiermark über die ÖVP Burgenland und die ÖVP Kärnten bis zur ÖVP Wien. Hier wird die neue Regierung durch konkrete Taten überzeugen müssen. Josef Pröll beneide ich – wenige Tage vor dem Bundesparteitag – nicht.

Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich nicht glücklich bin mit Rot-Schwarz. Doch der Wähler hat durch sein Votum alle anderen Optionen unmöglich gemacht. Der Wähler hat entschieden.

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