Ein spannender Tag geht zu Ende – mit einigen Überraschungen und einigen Beobachtungen am Rande.

Einheitlich ist ein Trend feststellbar: Die SPÖ verliert teils dramatisch, die Grünen verlieren leichter. Alles andere ist Bundesland-spezifisch. Die SPÖ wird an internen Debatten nicht vorbeikommen – wie OGM-Chef Bachmayer und Politologe Filzmaier erwarten. Weder in Kärnten noch in Salzburg führt die SPÖ bei den Arbeitern – und hat damit in ihrer Kernwählerschicht ein gewaltiges Problem. Mit seinem Dauerlächeln hat sich Werner Faymann nicht über die Krise retten können. Der Absturz ist enorm. Den Grünen wiederum hat der Führungswechsel mit nachfolgendem Linksschwenk und öffentlicher Zerreißprobe schwer geschadet. In Kärnten könnten sie sogar – laut vorläufigem Endergebnis – aus dem Landtag fliegen. Wollen die Grünen noch vor der EU-Wahl das Ruder herumreißen, kommen sie an einer grundlegenden Debatte und an einer Führungsdiskussion nicht vorbei.

Für das BZÖ hat sich gezeigt, dass es – in Nachfolge von Jörg Haider – in Kärnten ein hervorragendes Kernland hat. Ob das für eine bundesweit tätige Partei reicht, ist mehr als zweifelhaft. Und ob sich dieser Trend bis zur nächsten Landtagswahl hält, darf ebenso bezweifelt werden. Auch Jörg Haider wird nicht immer der übermächtige Landesvater aus dem Jenseits bleiben.

Die FPÖ kann in Salzburg stark punkten. Das war auch nicht so schwer – ist man doch von einem absoluten Tiefpunkt gestartet. Bundesweit läßt sich dadurch kein Aufwärtstrend erkennen. Ganz im Gegenteil, verschiedene Indikatoren (bei Jungwählern etwa liegt die FPÖ im Unterschied zur Nationalratswahl nur auf Platz 3) deuten bestenfalls auf eine Stagnation hin.

Die ÖVP hat in Salzburg den Abwärtstrend gestoppt. Doch leider ist es nicht gelungen, wieder stärkste Partei zu werden. In Kärnten hat die Volkspartei gewaltig zugelegt – und ist nun endlich wieder am Weg zur Mittelpartei. Gratulation an beide Landesparteien und ihre fleißigen Wahlkämpfer!

Der Kampf der Meinungsforscher und die Schuld der Medien

Vorausschicken möchte ich wieder einmal meine persönliche Hochachtung vor unserer ARGE Wahlen. Im Unterschied zu SORA und dem ORF hatten die Trends und Hochrechnungen der ARGE Wahlen das Ergebnis ziemlich präzise vorausgesagt. Während man beim ORF noch von einem Kopf-an-Kopf-Rennen in Salzburg überzeugt war, wusste die ARGE Wahlen schon, dass die SPÖ nicht von Platz 1 zu verdrängen ist.

Bemerkenswert auch die Kritik von OGM-Chef Bachmayer: Die SPÖ hatte Umfragen “bestellt”, in denen – wählermobilisierend – ein Kopf-an-Kopf-Rennen prognostiziert wurde, das es so nie gegeben hat. Und die Medien haben diese Umfragen völlig unkritisch übernommen. Hier haben die Massenmedien kläglich versagt, die journalistische Glaubwürdigkeit hat schwere Kratzer erlitten.

Ist der Wähler dumm?

Diese Frage muss man sich etwa stellen, wenn man diverse Blog-Kommentare zur Wahl liest. So meint Gerald Bäck: “Wo war nur das Hirn in der Wahlzelle?” Tom Schaffer meint: “Es ist nur ein guter Tag für Kabarettisten.” Und Oliver Ritter titelt gar: “Fast halb Kärnten wählte einen Toten!”

Es ist bezeichnend, dass, wenn einem das Wahlergebnis nicht paßt, kurzerhand an der Intelligenz und Kompetenz des Wählers gezweifelt wird. Ein typisches Phänomen bei den Linken (ok, da gehört Gerald sicher nicht dazu) und eine Absage an die Demokratie. Wie kann ich einerseits den Wähler als obersten Souverän, dessen Entscheidung in Demut zur Kenntnis genommen wird, bezeichnen – und andererseits eben diesen Wähler für dumm und inkompetent erklären. Ganz ehrlich, dann ist Demokratie als – im Sinne der Postings – Herrschaft der Dummen und Inkompetenten – absolut unverantwortlich.

Natürlich zweifle auch ich an vielen Entscheidungen. Wie kann etwa in Salzburg eine Landeshauptfrau – trotz Verlusten – bestätigt werden, die nach Meinung aller Beobachter nichts getan hat, außer lieb zu den Menschen zu sein und nett zu lächeln, während Wilfried Haslauer die ganze Arbeit getan hat? Wie kann es sein, dass Wahlen nur gewonnen werden können, wenn der Kotau vor dem wichtigsten Zeitungszaren des Landes tief genug ist?

Fragen über Fragen. Gerade nach dem heutigen Tag kann ich Plato nur zustimmen:

Demokratie ist die schlechteste Staatsform, aber ich kenne keine bessere.