• Datenschutz 2.0 – die EU ist gefordert

    März 04, 2009 4 comments

    Tim O´Reilly, der den Begriff “Web 2.0″ geprägt hat, nennt bereits 2005 als eines der Merkmale des “Web 2.0″:

    Data is the next Intel Inside
    [...] The key to competitive advantage in internet applications is the extent to which users add their own data to that which you provide.

    Und wie recht O´Reilly behalten hat, ist bemerkenswert. Die wichtigsten Internetpräsenzen lieferen nur eine Hülle, den Rest steuert der User selbst bei. Egal ob Wikipedia, YouTube oder Facebook:  Der wahre Wert wird kostenlos vom User geliefert.

    Das bietet der Internet-Community natürlich jede Menge Vorteile. Denn kaum jemand will heute noch ohne das Wissen von Wikipedia oder die Freunde auf Facebook auskommen. Doch praktisch niemand kennt die negativen Seiten. So überträgt der Nutzer der entsprechenden Firma alle Rechte an seinem geistigen Eigentum. Und selbst seine intimsten Daten gehen in den Besitz von Großkonzernen über. Dagegen wehren kann man sich praktisch nicht – richtet sich doch alles nach US-Recht, das beim Datenschutz kaum Einschränkungen kennt und großen Film- und Musik-Firmen den Alleinvertretungsanspruch auf Copyright zugesteht. Bemerkenswert dazu eine Analyse im jüngsten Rechtspanorama der Presse.

    Nun könnte man sich auf den Standpunkt stellen, dem eigenverantwortlichen User die alleinige Schuld an der Misere zu geben. Schließlich hat er allen diesen Bedingungen selbst zugestimmt. Schließlich hat er auf sein Copyright, den Schutz seiner eigenen Daten verzichtet. Doch kann man wirklich erwarten, dass der Durchschnittsuser sich bei zig Seiten komplexer fremdsprachiger Rechtstexte zurechtfindet? Kann es überhaupt einen Totalverzicht auf die Intimsphäre geben?

    Die juristische Antwort ist klar. Das US-Recht läßt hier keinen Interpretationsspielraum. Zustimmung ist Zustimmung – ohne wenn und aber. Hier ist die Politik gefragt, sich diesem brennenden Problem zu widmen. Die EU muss der Problematik des “Web 2.0″ höchste Aufmerksamkeit widmen, nur die Union kann gemeinsam den nötigen Druck erzeugen, um wieder den einzelnen Menschen, Usern oder Konsumenten zu ihrem Recht zu verhelfen. Das erwarten sich die Bürger von der Europäischen Union. Hier geht es um Bürgerrechte – und nicht bei Strafverschärfungen beim Copyright zugunsten internationaler Großkonzerne. Hier kann die EU zeigen, dass sie den Schutz ihrer Bürger ernst nimmt und mehr ist als eine Wirtschaftsunion.


  • Facebook Kommentare

    4 Reponses to "Datenschutz 2.0 – die EU ist gefordert"

    1. Armin Soyka 05 Mrz 2009

      Super Beitrag! Sehr wahr!

    2. Gerhard W. Loub 05 Mrz 2009

      Thx ;-)

    3. Andreas Lindinger 05 Mrz 2009

      Dem kann man grundsätzlich zustimmen, das Thema Datenschutz & Privatsphäre bei Facebook haben wir auch in unserer letzten Radiosendung von 2009.kommentiert behandelt (nachzuhören auf kommentiert.at). Zwar besteht im Großen und Ganzen ein Problem dass die Bewusstseinsbildung für solche Probleme bei einem Großteil der Benutzer noch nicht weit fortgeschritten ist, dennoch zeigt gerade das jüngste Zurückrudern Facebooks nach Userprotesten gegen die neuen AGB, dass Facebook sich nun durchaus bewusst sein sollte, dass sie hier nicht beliebig agieren können.
      Was mir im Artikel fehlt, sind konkrete Punkte, welche die EU erreichen sollte – über das hinausgehend, was von den Usern aufgrund der Massenproteste verhindert wurde. Soll deiner Meinung nach jeder User automatisch ein Copyright auf alle von ihm hineingestellten Informationen haben? Oder soll der User entscheiden können ob er seine Informationen unter einem Copyright, einer Creative Commons Lizenz, o.a. reinstellt?

      Andere Frage: Gibt es einen bestimmten Grund, warum dieser Blog unter einem Copyright und nicht unter einer Creative Commons Lizenz erscheint?

    4. Gerhard W. Loub 05 Mrz 2009

      1) Also was von der EU konkret zu fordern ist: Das ist zu lang für einen Blog-Beitrag, ich werde mich dem Thema in nächster Zeit aber immer wieder widmen und beispielhaft Ideen dazu vorstellen.
      2) Auf meiner Seite befindet sich nicht nur das Blog, sondern auch Uni-Material, Fotos, etc. Daher habe ich zwar bei meinen Fotos einen CC-Hinweis, beim Blog aber nicht (hatte auch nicht den Bedarf gesehen, da Fotos gerne weiter verwendet werden, ganze Blog-Beiträge aber nicht kopiert sondern nur auszugsweise wiedergegeben werden, und das ist auch bei Copyright möglich). Aber ich werd da wohl einen entsprechenden Hinweis anbringen, guter Punkt!

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