• oevp.at neu – ein Philosophie-Wechsel im Internet

    April 22, 2009 4 comments

    Eine Woche ist es jetzt her, dass wir unsere ÖVP-Homepage relauncht haben. Und es war eine stressige Woche,  in der ich nicht viel zum Reflektieren, Nachdenken oder gar Bloggen gekommen bin. Umso mehr möchte ich den heutigen Abend nutzen, um einmal ein bisschen einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren: Warum schaut die ÖVP-Homepage so aus, wie sie ausschaut? Was haben wir uns beim großen Sujet gedacht? Warum ist die Homepage so bilderlastig?

    Zu allererst geht es um die Grundsatzfrage: Wozu überhaupt noch eine Homepage? Zugegeben, eine sehr provokante Frage. Aber holen wir die User nicht eher dort ab, wo sie ohnehin schon sind? In Facebook, FlickR, YouTube oder in Blogs? Ist das Web 1.0 schon so tot, dass es vom Web 2.0 ersetzt worden ist? Eine Frage, die in Hinblick auf potentielle Userzahlen und Verbreitungsmöglichkeiten durchaus ihre Berechtigung hat. Und ich glaube fest daran, dass die Zeit kommen kann, in der herkömmliche Homepages irrelevant geworden sein werden. Derzeit ist es aber so, dass die User sich in den dezentralen Weiten des Web 2.0 verstreuen, dass sie der Informationsflut in unterschiedlichen Medien und Kanälen ausgeliefert sind. Hier agiert die Homepage generell, hier agiert www.oevp.at als Wegweiser in die unterschiedlichsten Kommunikationskanäle und natürlich auch ins Web 2.0.  Die ÖVP-Homepage ist also eine zentrale Anlaufstelle – Informationen, Funktionalitäten und multimediale Elemente sind aber zum Teil bereits ins Web 2.0 ausgelagert – ganz bewusst.

    Eine weitere Besonderheit der neuen ÖVP-Homepage ist die extreme Bildlastigkeit. Sie ist Ausdruck des “iconic turn” (wie ich ihn derzeit in meiner Bakk2-Arbeit behandle). Es geht um eine klare Wende zur visuellen Kommunikation. Transportiert wird weniger über lange Texte und Argumentarien des Fernschreiber-Zeitalters, sondern mehr über Bilder, Emotionen und Symbole. Nur die richtige Unterlegung eines Themas mit dem entsprechenden, prägenden Bildmaterial schafft heute noch wirkungsvolle Kommunikation.

    Auch in der textlich-inhaltlichen Gestaltung geht die neue ÖVP-Homepage neue Wege. Früher galt es, OTS (Presseaussendungen) mehr oder weniger umgeschrieben entsprechend auf der Homepage zu verwerten. Zu Beginn meiner Arbeit in der Bundespartei ab dem Jahr 2000 versuchte ich mit Christian Dolezal und Hannes König, hier einen neuen Weg zu gehen. Wir haben exklusive Informationen, etwa Exklusiv-Interviews oder Vorabinformationen, auf die Homepage gestellt und via OTS die Homepage als Quelle vermarktet. Diese Strategie hat aus mehreren Gründen nicht den gewünschten Erfolg gebracht. So waren die Interviewpartner etwa nicht immer prominent genug oder die Massen-Medien waren damals noch nicht bereit, das Internet als Primärquelle zu akzeptieren. Natürlich gab es noch eine Reihe anderer Ursachen. Aber alles möchte ich hier auch noch nicht verraten…

    Die neue Methode, an die textliche Gestaltung der Homepage zu gehen, löst sich jetzt los von der simplen OTS-Verwertung. Jede Aussage unserer Politiker, egal in welchen Medien, egal zu welcher Gelegenheit, dient als Quelle. Es folgt keine simple Verwertung mehr, wie sie auf andere Homepages zu finden ist. Denn auf den Homepages aller anderen Parlamentsparteien werden bei aktuellen Stories die OTS nur minimal umgeschrieben als Internet-Artikel wiedergegeben. Wir selbst haben uns zwar von dieser Taktik schon in den letzten Jahren immer weiter entfernt. Das völlige und flächendeckende Neuschreiben von Artikeln im Online-Stil wird aber erst mit der neuen ÖVP-Homepage versucht. Ganz bewusst wollen wir hier nicht das Pflichtprogramm des “Copy-Paste” der OTS-Arbeit abspulen, sondern eigene Akzente setzen. Entsprechend selektiv gehen wir auch bei der Themenwahl vor. Es ist ein hochgestecktes Ziel, das wir hier erreichen wollen. Ich bin echt optimistisch, das wir das schaffen, auch wenn das sehr viel Mehrarbeit bedeutet. Ein erstes Resümee können wir aber sicher frühestens nach dem Europa-Wahlkampf ziehen.

    Und schließlich sprechen wir mit unserer “Creative Commons” Lizenz etwas aus, was wir uns schon immer gedacht haben. Ja, wir wollen natürlich, das unsere Inhalte weiterverwendet werden. Und ja, selbstverständlich wissen wir, dass wir damit auch kritischen Bloggern das Leben erleichtern, wenn sie Inhalte und Bilder nach Lust und Laune übernehmen können. Aber die ÖVP-Homepage und unsere Web 2.0 Auftritte sollen als Quelle dienen – und zwar jedem, der sie nutzen will. Natürlich hat Matthias Cremer recht: Das interessiert nicht jeden. Logo. Aber auf die ÖVP-Homepage geht auch nicht jeder. Und mein Blog liest auch nur der, der das will.

    Hohe Ziele, die wir uns mit unserer neuen Homepage gesteckt haben. Ob wir sie erreichen, entscheidet der User. Und wie Ihr das zum momentanen Zeitpunkt seht, postet Ihr hoffentlich hier im Anschluss!

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    4 Reponses to "oevp.at neu – ein Philosophie-Wechsel im Internet"

    1. togo 25 Apr 2009

      warum wurde der relaunch eigentlich so beworben? inhaltlich hat sich ja nicht viel geändert. die web2.0 elemente gab es auch schon vorher und das design ist ein abklatsch von obamas seite..

    2. Tom Schaffer 27 Apr 2009

      Eure Inhalte dürfen nicht weiterverwendet sondern nur wiedergegeben werden. Dass ihr nicht den konsequenten Schritt zu einer einfachen CC BY-Lizenz gewagt habt, finde ich sehr bedauerlich. Das einzige was sich geändert hat ist, dass ihr nun ganz offiziell niemanden verklagen wollt, der Bilder eurer PR weiterverwendet.

      Aus deiner Innensicht wirst du vermutlich den Schritt den ihr gemacht habt für viel größer halten, ich für meinen Teil finde ja leider nichts erwähnenswert Neues an der Seite.

    3. Gerhard W. Loub 27 Apr 2009

      Wir haben hier eine absolut üblich CC-Lizenz verwendet. Dass wir eine Verfälschung unserer Inhalte ausschließen ist nur logisch. Auch Deine Meinung, die CC-Lizenz würde sich nur auf Bilder beschränken, ist falsch, da sie alle multimedialen Inhalte und natürlich auch alle Texte einschließt. Damit haben wir als erste Partei zumind. in Österreich diesen Schritt gewagt (international kenn ich da jetzt kein Beispiel, aber da den Überblick zu behalten ist nicht leicht).

      Natürlich ist die Innenansicht anders als die Außenansicht. Und ich würde selbst nicht von einem Quantensprung sprechen, der das World Wide Web erzittern läßt. Mir ist es eher um einen Wandel der Philosophie dahinter gegangen und darum, diesen zu erläutern.

      So unterscheiden wir uns etwa ganz bewußt von der Grünen Homepage. Diese hat zwar die Startseite mit einem hohen Web 2.0 Anteil – allerdings mit vielen für die Bundesseite irrelevanten Themen – aufgepeppt. Das wird jedoch allseits als mißlungen betrachtet, da dies für den User zu verwirrend, zu unübersichtlich ist.

      Deine Behauptung, die Parteiblogger stammen aus der zweiten und dritten Reihe, ist falsch, da ich etwa Lopi als Regierungsmitglied und Khol als Bündeobmann des zahlenmäßig größten Bundes keineswegs als “siebten Zwerg von Links” ( (c) Khol *ggg*) bezeichnen würde. Im Grünen Blogportal habe ich keinen einzigen Bundespolitiker entdeckt. Und wenn wir schon bei den Grünen sind: Die Eigen-Meldungen auf der Homepage sind OTS- oder APA-Abschriften. Tja, definitiv kein Online-Stil. Der letzte del.icio.us-Beitrag ist vom 31. August 2008(!). Aber ich möchte die Grünen nicht schlecht machen. Das Chorherr-Blog oder die Twitterei von Marco Schreuder sind ja durchaus interessant. Leider halt nicht auf Bundesebene :-(

    4. Tom Schaffer 27 Apr 2009

      “Dass wir eine Verfälschung unserer Inhalte ausschließen ist nur logisch.”

      Naja. Im Rahmen einer etwas ängstlich bis autoritär angehauchten Logik schon. ;) Für mich wäre es selbstverständlich und für eine politische Partei angemessen CC3.0 BY-NC-SA zu nutzen. Damit nimmt man natürlich in Kauf, dass die Menschen sich mit einigen Dingen einen Scherz erlauben, aber was solls? Das machen sie so und so. Andere würden vielleicht mit den Dingen auf der Webseite gerne etwas Cooles basteln – was sie jetzt rechtlich nicht dürfen.

      “Auch Deine Meinung, die CC-Lizenz würde sich nur auf Bilder beschränken, ist falsch”

      Das war eine Überspitzung – vielleicht nicht gut genug kenntlich gemacht. Mir ist schon klar, was die CC-Lizenz bedeutet.

      Aber warum sollte ich die Texte eurer Webseite eigentlich republizieren wollen? Die Bilder kann man ja wenigstens noch zur Illustration brauchen. (Zudem geh ich davon aus, dass die ÖVP mich fürs kostenlose Verbreiten ihrer PR eh noch nie verklagt hätte. CC hin oder her.)

      “Das wird jedoch allseits als mißlungen betrachtet, da dies für den User zu verwirrend, zu unübersichtlich ist.”

      Find ich jetzt nicht wirklich. Aber es geht mir hier ja nicht um die Grüne Homepage sondern um eure. Und die wurde immerhin als “Meilenstein” verkauft. Das ist der Anspruch, dem sie demnach auch gerecht werden müsste.

      Lopatka und Khol sind das was ich als zweite Reihe bezeichnen würde, keine unprominenten, aber auch keine zentralen politischen Figuren (mehr). Da kann man natürlich über die Klassifizierung debattieren, für mich passt das so.

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