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Die Strache-Macher
Juni 03, 2009 6 comments
Sie haben Jörg Haider groß gemacht: Medien wie News, Standard, Falter und Profil sind bei jedem braun-blauen Grenzgang in helle Aufregung verfallen und haben so dem Narziss Jörg Haider die so ersehnte mediale Plattform zur Selbstinszenierung geboten. Parteien wie SPÖ und Grüne haben für das politische Begleitgetöse gesorgt und damit garantiert, dass Jörg Haider das von ihm so herbeigesehnte Erfolgserlebnis hatte, dass immer neue Wähler unter dem Motto “Jetzt erst recht” zu ihm gefunden haben. Sie waren die “Haider-Macher” (ein Titel, den Hubertus Czernin an Franz Vranitzky verliehen hatte), sie haben für das Erstarken des dritten Lagers gesorgt, nachdem es zu Haiders Amtsantritt als FPÖ-Chef vom Aussterben bedroht war.Und es sind eben jene Medien und politische Parteien, die nun seinem Nachfolger Strache zu nie geahntem Erfolg verhelfen. Es sind Werner Faymann und Eva Glawischnig, die mit der permanenten Thematisierung der Causa Graf als de facto beherrschendem EU(!)-Wahlkampfthema der FPÖ jene Bühne bieten, die sie so dringend braucht. Denn die FPÖ hatte im EU-Wahlkampf mit einem gewaltigen Mobilisierungsproblem zu kämpfen. Schließlich findet sich ihr Stammpublikum aus EU-Kritikern und EU-Gegnern ungern zur Wahl der ungeliebten EU-Gremien ein. Ein Problem, dass sie nun dank der linken Aufregung überwunden hat. Denn nun gilt wieder “Jetzt erst recht”, nun sammelt sich die extreme Rechte hinter ihrem angegriffenen Führer.
Eine mindestens ebenso tragische Figur bieten die Medien, wie das hier abgebildete News. Mit seinem Cover, auf dem Strache als neuer Hitler dargestellt wird, wird nicht nur ein Tabu gebrochen – nein, der Nationalsozialismus wird in absolut widerwärtiger Weise verharmlost. Wenn Strache mit Hitler gleichgesetzt wird, verliert das unvergleichlich grausame Terrorregime der Nationalsozialisten rapide an Schrecken. Neonazis werden ein Stück salonfähiger. Und wieder sammeln sich die Stammwähler hinter ihrem extrem rechten Führer – im Kampf gegen die so geschmähte “linke Meinungsmafia”.
Den Höhepunkt an Doppelbödigkeit aber schafft NEWS-Chefredakteur Atha Athanasiadis aber, wenn er seine moralisch weiße Weste hervorstreicht, weil er FPÖ-Inserate abgelehnt hätte. Dass es in Wirklichkeit aber die FPÖ trotz Drängen der Online-Redaktion abgelehnt hatte, auf news.at zu inserieren, rundet das Bild des verschmähten Verkäufers in erschütternder Banalität ab.
Ja, selbstverständlich dürfen HC Straches permanente Tabubrüche, dürfen seine Hetztiraden und Hasspredigten nicht achselzuckend zur Kenntnis genommen werden. Ein wirksames Auftreten gegen HC & Konsorten kann aber nur gelingen, wenn billiger Populismus und hysterisches Antifa-Getöse durch echte Antworten auf drängende Probleme, eine klare Sprache, die die Menschen verstehen und kompromisslose, unaufgeregte Ächtung der Ideologien von vorgestern ersetzt werden.
Posted by Gerhard W. Loub in Medien, Politik
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6 Reponses to "Die Strache-Macher"
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Großartig auf den Punkt gebracht!
Ich ziehe meinen Hut!
Wofür ich unzählige Beiträge brauche, schaffst du in einem Artikel – Respekt!
kann mich nur anschließen. sehr guter Beitrag, der die Sache im Kern trifft.
“echte Antworten auf drängende Probleme, eine klare Sprache, die die Menschen verstehen und kompromisslose, unaufgeregte Ächtung der Ideologien von vorgestern”
wie wahr, wie wahr …
Servus,
also zunächst einmal möchte ich schon klarstellen dass dieses absolut widerwärtige News Cover wohl niemand verteidigt. Eine demokratisch legitimierte Partei mit einem Nazi Regime das für den Tod von 6 Millionen Juden verantwortlich ist zu vergleichen, ist unterste Schublade. Niemand dieser Menschen hat jemanden etwas angetan, oder ist straffällig geworden. Alles was ihnen “vorgeworfen” werden kann, ist eine Vergangenheit als Burschenschafter, und eben ihre oft hetzerische Rhetorik. Das macht sie aber niemals zu einem Nazi, so ein Vergleich ist eine Verhöhnung der Opfer. Jedem gebildeten Menschen sollte das bewusst sein. Cover wie das der News schaffen aber durchaus ein “Jetzt erst recht” Bewusstsein, da geb ich dir unbestritten recht.
Mir ist nicht ganz klar weswegen du immer “extreme Rechte” sagst. Du denkst also wirklich dass nur Rechtsextremisten eine Partei wie die FPÖ wählen? Das ist wahnsinnig kurzsichtig, damit gehst du einen gefährlichen Konsens mit den Medien ein, die es im politischem Diskurs auch schon lange verabsäumen zwischen konservativ, rechts und rechtsextrem zu differenzieren. Dass die FPÖ schwarze Schafe hat ist nicht zu leugnen, doch du kannst daraus nicht auf die Kernwählerschaft schließen. Es gibt durchaus plausible Dinge die die FPÖ anzeigt, hat jetzt zwar nichts mit der EU Wahl zu tun, aber die ablehnende Haltung zur Anerkennung der Zeugen Jehovas als Religionsgemeinschaft gehört beispielsweise dazu. Auch die Forderung die Grenzkontrollen wieder einzuführen ist legitim.
Was die Wahlkampfthemen anlangt: Die Themen fehlten nicht nur der FPÖ, oder willst du mir sagen dass die anderen Parteien, außer Streitereien, konstruktive Lösungen an den Wähler, an die Wählerin gebracht haben? Hast du die letzte ORF Debatte gesehen? Hat dir einer der Teilnehmer etwas konstruktiv über sein/ihr Wahlprogramm näherbringen können?
In diesem Sinne, einen schönen Wahlsonntag :)
Eric
Jein. Es stimmt sicher zum Teil, dass gerade die Reaktion auf die bewusste Provokation Strache mehr Erfolg bringt. Allerdings liegt diesmal die Lage mE etwas anders. Diesmal hat Strache nämlich Aussagen getätigt, die sich von den sonstigen Unterscheiden. Mit der Verwendung des Kreuz einerseits und vor allem mit der Verharmlosung der Vorfälle in Ebensee. Gerade letztere haben nämlich mE auch dazu geführt, dass eine größere Personengruppe- die bei den üblichen rassistischen Aussagen vielleicht nicht über die nötige Sensibilität verfügt- aufgehorcht haben und diese Aussagen nicht nachvollziehen können und darauf befremdlich reagiert haben.
Daher war mE die Reaktion von Faymann und Glawischnig in diesem Fall angebracht und richtig – ohne der bitteren Pille der Förderung der FPÖ. Aber auch bei der üblichen hetzerischen FPÖ Rethorik muss man nicht kommentarlos zusehen. Die Krux mit diesen Themen ist nämlich nicht so sehr die Provokation, sondern die Art und Weise, wie diese gebracht werden. Ein reales Problem, welches für die Menschen spürbar ist, wird über Wochen aufgeblasen und immer wieder wiederholt und schlußendlich mit einfachen Parolen, die eine Radikallösung vorgaukeln finalisiert. Darauf in der Form zu reagieren, dass man sagt die FPÖ ist böse und mit dem Finger auf die FPÖ zu zeigen, wäre falsch. Viel wichtiger und richtiger wäre es den Scheinargumenten auf sachlicher Ebene zu begegnen und die realen Verhältnisse glaubhaft zu vermitteln.
Vielmehr scheint aber in der Politik ein gegenteiliger Trend eingesetz zu haben. Es hat eher den Eindruck, dass sich andere Parteien eher den Forderungen der FPÖ annähern würden, um vom Wähleranteil der FPÖ etwas für sich selbst abzubekommen. DAMIT macht man diese verhetzende und menschenverachtende Politik der FPÖ viel eher salonfähig, als durch klare Abgrenzung. Das fängt auch damit an, dass man eine Person wie Graf gar nicht erst in dieses Amt hätte wählen dürfen, wo die Anzeichen für seine Gesinnung bereits davor deutlich waren und von den Grünen auch hörbar gewarnt wurde.