Das hatte ja so kommen müssen: Die Polizei schießt auf zwei Verbrecher, die sie auf frischer Tat ertappt  – und schon beginnen die Linken mit der Täter-Opfer-Umkehr. Da wird nicht erst gewartet, bis Details der Tragödie bekannt sind, da wird einfach mal munter drauf los verurteilt.

Ja, es ist tragisch und erschütternd, dass ein 14-jähriger sein junges Leben verloren hat, es ist eine absolute Katastrophe für seine Familie und seine Freunde. Aber es hat keine Unschuldigen getroffen, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren, die Jugendlichen waren zwei Einbrecher, die bereits zuvor mehrfach straffällig geworden waren.

Selbstverständlich kann es zu diesem Zeitpunkt keinen Freispruch für die Polizisten geben. Erst, wenn man das Geschehen rekonstruiert hat, wird man wissen, ob die Polizisten richtig gehandelt haben, oder ob sie sich einer Straftat schuldig gemacht haben. Erst muss lückenlos aufgeklärt  – und dann schonungslos alle gegebenenfalls notwendigen Konsequenzen gezogen werden.

Dass Peter Pilz hier erneut seinen pathologischen Beißreflex gegen Maria Fekter und die ÖVP unter Beweis stellt, war zu erwarten. Dass er aber gleich die ganze ÖVP als “schießwütig” bezeichnet ist eine absolute Unverfrorenheit. Ebenso übrigens, wie den niederösterreichischen Landeshauptmann zu beschuldigen, die Erschießung unbewaffneter Verdächtiger zu fordern.

Die Blogosphäre ist geteilter Meinung: So fordert Andreas Lindinger, ein Grüner Aktivist, den Rücktritt Fekters und untermauert das mit den üblichen substanzlosen Grünen Wordings der letzten Monate. Christoph Baumgartner ist mit der Schuldzuweisung schnell bei der Hand: “Vom ethischen Standpunkt her lässt sich eine eindeutige Verantwortung der Polizisten erkennen.” Michal Purmayer von den Grünen fordert eine harte Bestrafung der Polizisten – ohne freilich, wie er selbst zugibt, irgendetwas über den Tathergang zu wissen.

Demgegenüber fordert etwa der “Rote Saloon”: “Lassen wir das schnelle Polizei-Bashing mal weg und warten wir die Fakten ab.” Und Oliver Pink bloggt:

Warum ist eigentlich immer alles so erwartbar? Im “Standard” weiß man heute natürlich schon, dass die Polizisten im Supermarkt-Drama von Krems falsch und fahrlässig gehandelt haben. [...] Dafür darf der Hinweis nicht fehlen, dass in Niederösterreich ein Polizist vor kurzem einen rumänischen Autobahn-Piraten erschoss. Dass die rumänische Bande zuvor Autofahrer, vorzugsweise aus Osteuropa, monatelang terrorisiert und beraubt hatte, bleibt unerwähnt. Höchstwahrscheinlich erzählt uns nächste Woche dann auch noch der “Falter” die wahrste Wahrheit über das Drama von Krems, über schießwütige Polizisten und unschuldige Jugendliche.”

Ja, es ist eine Tragödie, die sich in der Nacht auf Mittwoch in Krems ereignet hat. Was wirklich passiert ist, wissen wir noch nicht. Und so lange wir hier keine Klarheit haben, ist jede Vorverurteilung aus parteipolitischen oder ideologischen Gründen eine absolut widerwärtige Instrumentalisierung des Dramas von Krems.

Short URL: http://g4l.at/YUrVQZ