• Buizingen, Twitter und das Ende der Eilt-Meldung

    Februar 15, 2010 3 comments

    Als die APA um 10:24 Uhr in einer EILT-Meldung vom schweren Zugsunglück im belgischen Buizingen berichtete, war die Meldung im Web 2.0 schon fast zwei Stunden alt. Denn es war ein Passagier in einem der verunglückten Züge, der nicht nur die erste Meldung, sondern via Twitpic das erste Bild des Unglücks brachte und damit weltweit zugänglich machte (und jetzt mit Interviewanfragen überhäuft wird). Die Zeit, in der die Nachrichtenagenturen die schnellste Quelle aller EILT-Meldungen sind, ist vorbei.

    Dennoch haben die Nachrichtenagenturen ihre Bedeutung auch bei Eiltmeldungen noch nicht verloren. Denn die Überprüfung der Meldungen vor Veröffentlichung, die schon mal etwas dauern kann, die Zuverlässigkeit der Informationen unterscheidet die Agenturen weiter von allen Web 2.0 Kanälen. So sieht sich die APA – wie am “APA Online Tag 2009″ konstatiert – als “Leuchtturm in der Informationsflut des Web”, kann wichtige von unwichtigen, zuverlässige von unseriösen Informationen unterscheiden.

    Nachholbedarf herrscht dennoch: Denn die Informationen, die im Web 2.0 verfügbar sind, werden von Nachrichtenagenturen Eiltmeldungen aus dem Web oft mit enormer Verspätungen wahrgenommen, Redakteure sind mit den Regeln und Begrifflichkeiten des Web 2.0 überfordert. Das zeigt sich eindrucksvoll, wenn etwa der analysierende N-TV-”Internet-Redakteur” von “Twitterpic” statt “Twitpic” spricht.

    Das “Web 2.0″ bringt viele Chancen, Neuerungen und Beschleunigung. Den Herausforderungen werden die traditionellen Medien noch lange nicht gerecht.

    Linktipp:



  • Facebook Kommentare

    3 Reponses to "Buizingen, Twitter und das Ende der Eilt-Meldung"

    1. aw70 16 Feb 2010

      Deine Fixierung auf das Web 2.0 in Ehren – aber was Du da als Schlussfolgerung schreibst, mag zwar einen wahren Kern enthalten, ist aber in diesem Fall m.E. nach Blödsinn.

      Natürlich ist Twitter in so einem Fall schneller als die Agenturen. Nein, wer hätte das gedacht. Aus der deutlich später erfolgten Eilt-Meldung und unpräzisen Formulierungen abzuleiten, dass Redakteure i.A. mit den Möglichkeiten des “Web 2.0″ überfordert sind, ist doch bitteschön Schwachsinn. Dass der Redakteur “Twitterpic” gesagt hat, ist nicht automatisch auf Überforderung zurückzuführen – eher im Gegenteil. Es ist m.M. nach wesentlich wahrscheinlicher, dass der Mann einfach ein gesundes (sprich: nicht übertriebenes) Verhältnis zu diesen neuen Diensten hat, und das einfach so gesagt hat. Immerhin wusste jeder (Dich eingeschlossen), was er meint.

      Oder anders gesagt: man kann Twitter verwenden und als Informationsquelle nutzen, auch ohne dass man sich an die Sprachregelungen der selbsternannten Hohepriester des Web 2.0 hält. What a shocking surprise…

    2. Gerhard W. Loub 16 Feb 2010

      Eine Feststellung von Tatsachen ist noch lange kein Blödsinn. Aber die Seite Twitpic heißt nun mal Twitpic und nicht Twitterpic: Das ist keine Fixierung oder Sprachregelung, sondern ein Name. Und wenn ein angeblicher Spezialist nicht mal den richtigen Seitennamen verwendet, ist das schlicht inkompetent.

    3. Andreas Habicher 27 Apr 2010

      Es handelte sich ganz objektiv, auch ohne “Web 2.0-Fixierung”, um einen faktischen Fehler. Und zwar einen, der zeigt, dass der Mann kein Twitterer ist. Kommt vor, schließlich kann ja nicht jeder twittern. Doch es sollte zum Lernen anregen: Faktenkontrolle ist nun einmal ein wesentliches Bauelement des Gebäudes “Journalismus”. Faktische Fehler werden aber natürlich weiter jeden Tag vorkommen, speziell da, wo Kosteneffizienz für die Medienbetreiber deutlich wichtiger ist als inhaltliche Qualität.

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