Sebastian Kurz musste sich zu Beginn seiner Tätigkeit viel von den Medien und den politischen Konkurrenten anhören (von den üblichen 100 Tagen Schonfrist natürlich keine Rede). Egal, ob er “Milchbubi” genannt wurde, man ihn als Kinderparteisoldaten bezeichnete, der – als Meidlinger – “mit dem goldenen Löffel im Mund in Hietzing” aufgewachsen war oder mancher Kommentator ein beginnendes Tourette-Syndrom zeigte: Die bedingunglose Ablehnung unter Verzicht auf jede Argumentation zog sich wie ein roter Faden durch die mediale Landschaft.

Vorgeworfen wurde ihm, dass er kein abgeschlossenes Studium hat – was auf viele seiner Regierungskollegen zutrifft, bis hin zum Bundeskanzler. Er wird als zu jung für die Politik betrachtet – und zwar von jenen, denen es besonders wichtig war, Wählen schon ab 16 Jahren zu ermöglichen. Und ihm wird jede Kompetenz bei Integration abgesprochen – weil er erst eine OTS zu dem Thema gemacht hat (© Armin Wolf) (nachdem sich die Realität von Journalisten ja nur in der Anzahl von Presseaussendungen abspielt eine nicht gerade verwunderliche Fehleinschätzung).

Ziehen wir mal den Vergleich: Was hat etwa die als Vorbild dargestellte Wiener Integrations-Stadträtin Sandra Frauenberger für ihren Posten qualifiziert? Sie hat exakt 0 (in Worten Null) Aussendungen zum Thema Integration vor ihrer Tätigkeit als Integrations-Stadträtin gemacht. Sie hatte vor ihrer Tätigkeit als Integrations-Stadträtin KEINE Leitungsfunktion inne (Sebastian Kurz war Bezirks-, Landes- und Bundesobmann der JVP). Im Unterschied zu Sebastian Kurz hat sie nicht einmal ein Studium begonnen.

Von der sachlichen Arbeit her lässt sich natürlich noch schwer ein Vergleich ziehen. Nach dem dramatischen Scheitern der Integrationspolitik in Wien dürfte es Sebastian eigentlich nicht schwer haben. Noch schlechter kann man das Thema kaum angehen als die Wiener SPÖ – wobei: Gegenüber dem ORF hat die Stadt Wien betont: “Die Flüchtlings- und Integrationskompetenz liegt eindeutig beim Bund!”. Was also macht in Wien eine Integrationsstadträtin dann eigentlich den ganzen Tag?

Sebastian ist mittlerweile voll aktiv: Treffen mit den Experten vom Innenministerium, Besuch im Habibi, Interview im Ö1 Mittagsjournal und – last not least – heute abend in der ZiB2.

Lassen wir den Vergleich von Kurz und Frauenberger ruhig auf uns zukommen. Der neue Integrationsstaatssekretär wird sich nicht verstecken müssen…

Sebastian Kurz im Habibi (c) Österreichischer Integrationsfonds

Sebastian Kurz im Habibi (c) Österreichischer Integrationsfonds

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