Überraschung war´s keine, aber wie denn auch? Wenn die Medien alle ÖVP-Wien-Funktionäre der Reihe nach nennen ist´s irgendwie klar, dass es einer von ihnen werden muss. Und ich seh schon die Aufmacher morgen vor mir: “Wir haben´s schon vorher gewusst: Der Juraczka wird´s!” Das hätten sie aber genau so geschrieben, wäre es Raidl, Kurz, Karas, Tötschinger oder sonst wer geworden. Claus Pándi freilich hat vorher schon gewusst, was er zu dem Thema schreibt – egal wer Obmann wird: “Wiener ÖVP will schon wieder mit Verlierer siegen?”. Toll, diese medial faire und fundierte Beurteilung – freilich durch eine Zeitung, die auch Jubelberichte über Konzerte schreibt, die nie stattgefunden haben.

Ich kenne Manfred Juraczka schon seit den Anfängen meiner JVP-Zeit (und das ist zugegeben echt lange her). Er stammt aus einer alteingesessenen ÖVP-Familie – der Vater Bezirksparteiobmann, die Mutter Bezirksparteisekretärin (s. Bild unten). Manfred kennt die ÖVP Wien von Grund auf und hat sich dabei nie so richtig den “Funktionärssprech”, die geschliffene, schwammige Rede angewöhnt (auch wenn er sich bei Pressekonferenzen schon “gewählter” ausdrückt, was dann nicht immer so authentisch rüberkommt).

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Manfred hat einen verdammt undankbaren Job übernommen – bei dem er sich aber sehr verdient machen kann, wenn er ihn meistert. Er muss die ÖVP Wien von Grund auf neu aufstellen – ohne Rücksicht auf Verluste, ohne, sich selbst in Abhängigkeiten zu begeben oder sich bei irgend jemandem mit Posten oder Zusicherungen “einzukaufen”. Er muss alte Strukturen aufbrechen, neue Talente fördern, finden und Risiken eingehen. Er muss de facto die ÖVP Wien “neu gründen” – ohne sie völlig zu zerschlagen (denn das würde der Wähler sonst bei der nächsten Wahl selbst erledigen). Auf gut Deutsch: Manfred Juraczka muss werken, als gäbe es für ihn kein “Morgen”. Denn nur so wird er es schaffen, dass es die ÖVP Wien morgen noch gibt.