Demontage Luegers als Kriegserklärung von #rotgruen 27


Die rotgrüne Wiener Stadtregierung wird den Dr.-Karl-Lueger-Ring in Universitätsring umbenennen. Der ehemalige Wiener Bürgermeister, Begründer des Wohnbauprogramms der Gemeinde Wien, Erbauer und Neuorganisator von Wasser- und Energieversorgung, Straßenbahnnetz, Sozialeinrichtungen und der Auflockerung des städtischen Gebiets durch weitläufige Parkanlagen, soll damit von linken Ideologen aus der Geschichte verbannt werden. Vorgeworfen wird ihm Antisemitismus – und zwar jener Antisemitismus, dessen sich damals der Großteil der Politiker schuldig gemacht hat.

Freilich ist die rotgrüne Stadtregierung auf dem linken Auge völlig erblindet. Julius Tandler, der die „Vernichtung unwerten Lebens“ gefordert hatte, bleibt ein Platz gewidmet. Karl Renner, der den Anschluss an NS-Deutschland mit „freudigem JA“ beworben hatte, bleibt ein Teil des Rings gewidmet. Nach dem Mörder des österreichischen Ministerpräsidenten Fraf Stürgkh, Friedrich Adler, ist ein Wiener Weg benannt, ihm wird ein Ehrengrab gewidmet. Und die Vorläuferaktion der nun so stark gegen das Gedenken an Lueger kämpfenden Sozialisten Jugend, die „Revolutionäre Sozialistische Jugend„, verstieg sich zur Aussage „Das Finanzkapital beutet Dich, deutscher Arbeiter, Dich, deutscher Unternehmer, aus. Das Finanzkapital ist der Jude, Juda verrecke!„. Von der Sozialistischen Jugend ist bis heute keine Distanzierung zu ihren Vorgängern bekannt.

Ja, wir können gerne die Geschichte der ersten Republik und – im Fall Luegers – auch der k&k Monarchie aufarbeiten. Ja, wir können alle Ehrungen, Platzbenennungen und Würdigungen überdenken. Wer aber auf dem linken Auge blind ist, hat kein Recht, sich zum moralischen Richter über Gut und Böse aufzuspielen.

Das radikale Vorgehen der rotgrünen Wiener Stadtregierung, gegen alles, was nicht links ist, mit dem Rad fährt (oder einen städtischen Dienstwagen hat) und genehm berichtet hat ein absolut unerträgliches Ausmaß angenommen. Für uns von der ÖVP muss das heißen, dass wir in jede Unterstützung für die rotgrüne Wiener Linksregierung stoppen und die Samthandschuhe ausziehen müssen. Die Zeit des Kuschens und Kuschelns ist vorbei. Ab sofort kann es nur noch bedingungslose, harte und offensive Oppostions- und Aufdeckungspolitik geben.

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27 Gedanken zu “Demontage Luegers als Kriegserklärung von #rotgruen

  • Clemens Maria Schuster

    Come on. Und wenn die Strassen einfach nur Nummern und Zahlen heissen – vgl. zB Mannheim u.a. – wen kümmerts? Kümmert euch um die wichtigen Dinge und schrei bei den Pensionslücken und Bankenrettungen und so mal Krieg.

  • Alexander Wilkie

    „Die Samthandschuhe ausziehen“. Und „die Unterstützung einstellen“. Was heisst das in der Praxis? Das irgendwann, mit entsprechender Verzögerung, weil man muss ja zuerst darüber schlafen, eine ganz, ganz böse OTS-Meldung von der ÖVP Wien rausgeht? Ui, da werden sich die Roten aber fürchten!

  • Alexander Wilkie

    Und falls das nicht klar sein sollte: es wäre mir *sehr* recht, wenn ihr mich ausnahmsweise mal damit überraschen würdet, dass ich mit meiner vernichtenden Meinung über die Wiener ÖVP unrecht habe…

  • Martin Borger

    Kanns sein dass die ÖVP Wien knapp unter der Wahrnehmungsgrenze dahingrundelt in Wien aktuell? Da kommt so ein Thema wohl recht? Wenn Lueger eh noch genug Plätze u Denkmäler hat, warum regt ihr Euch auf. Habt ja auch noch Dollfuß in Euren Reihen …

  • Georg Jajus

    Antisemitismus ist Kulturgut?
    In Österreich, zugegebenermassen, mag das der Fall sein, aber langsam ist es wirklich an der Zeit, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Auch anderstadts werden Strassen und Plätze umbenannt, wieso also die künstlich erzeugte Erregung…?

  • Florian Lukesch

    Das Fleckerl Wien heißt seit ewigen Zeiten so und nur weil ein paar verwirrte und eingekiffte linke Weltverschlimmerer sich einbilden jegliche Verwurzelung zu zerstören brauch ich noch keine große Vergangenheitsbewältigung.

  • Martin Borger

    @Florian Dieser Abschnitt des Rings wurde laut Wikipedia erst 1934 in „Dr Karl Lueger-Ring“ umbenannt, von „Ewigen Zeiten“ kann also nur die Rede sein wenn Ihr geschichtlicher Horizont so eng ist daß er nur bis in diese Zeit reicht. Würde ich verstehen daß Ihnen diese Zeit gefällt, da gab es ja auch einen gewissen Dollfuß und den Austrofaschismus usw. Es kommt also durchaus vor, dass Straßen umbenannt werden. Damals eben von den Austrofaschisten, vorher war der Name „Ring des 12. November“. Die aktuelle Umbenennung erfolgt aber gut begründet und fundiert, wie ich finde.

  • Alexandra Bader

    zu julius tandler Рdie kritik ist gerechtfertigt, dass er mit seinen eugenischen vorstellungen zu denen geh̦rte, die den weg in den nationalsozialismus ebneten:
    http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=1009

    Nach ehrenamtlicher und punktuell eingesetzter Wohltätigkeit kam in der Ersten Republik die sozialdemokratische Wohlfahrt, um die sich besonders Julius Tandler verdient machte, durch dessen Initiativen auch die Kinderübernahmestelle, Mütterberatungsstellen, Kinderfreibäder, Schulärzte und das Säuglingswäschepaket eingeführt wurden. Freilich bediente sich auch Tandler der vielfach üblichen Sprache von „vollkommen unwertem Leben“, für das die Staaten aufkommen müssen, darunter „Vollidioten“, was Vorstellungen von einer „Menschenökonomie“ entsprang, nach denen der Wert eines Menschen am reinen Nutzen für die Volkswirtschaft gemessen wird. Die Gleichschaltung des Fürsorgewesens mittels Nationalsozialistischer Volkswohlfahrt war für das Regime leichter als in Deutschland, da es bei uns kaum Jugenfürsorge-Strukturen und kein bundesländerübergreifendes Gesetz gab.

    Zwar wurden viele neue Stellen für Fürsorgerinnen geschaffen, doch zugleich auch verfügt, dass nur „erbgesunde“ Menschen Anspruch auf Leistungen hatten, die nach dem Ideal der „deutschen Familie“ lebten. Dass Menschen, die den Normen nicht entsprachen, maximal am Rande der Gesellschaft geduldet, oft aber verfolgt wurden, bekamen besonders Mädchen zu spüren, die sich nicht in das Bild der deutschen Frau fügen wollten. Diesen wurde dann von Fürsorgerinnen oder ÄrztInnen, die sie nach diesen beurteilten, „schwache Sinnesbildung“, Frech sein, „Arbeitsscheu“ und „Triebhaftigkeit“ nachgesagt. Sie landeten unter Umständen, wie auch Burschen, die den Behörden auffielen, auch in der Psychiatrischen Anstalt Am Steinhof oder in Jugendkonzentrationslagern.

  • Alexandra Bader

    mit „viel verdanken“ wird ja auch u.a. bei julius tandler argumentiert – DER grosse unterschied, warum das „verdanken“ bei einem alles aufwiegt und bei einem anderen nichts, ist nicht nachvollziehbar. was ist „schlimmer“? oder ist beides gleich schlimm? antisemitismus schüren oder sich für eugenik einsetzen? beides hatte folgen, beides bedeutete später für menschen leid und verhängnis…. beide waren wegbereiter, tandler wie lueger…

  • Alexander Tuma

    @Alexandra Bader: Dr. Karl Lueger war der Initiator der städtischen Wohnbaues, unter seiner Amtszeit wurden die Gasometer in Simmering errichtet und in Betrieb genommen, sowie die Eletrifizierung der Straßenbahn eingeleitet. Seine Idiologie war eine komplett Andere. Der Satz „Wer ein Jud ist und wer nicht, des bestimm I“, ist ja bekannt und berühmt. Seine Vorbilder waren ja Adler. Julius Ritter von Schönerer. Deswegen wurder er ja von Kaiser Franz Josef I. nicht im Amt bestätigt.

  • Alexander Tuma

    @Alexandra Bader: ich habe gerade in einen Buch nachgelesen: Kaiser Franz Josef I. zum niederösterreichischen Stadthalter Eugen Graf Kielmansegg im Jahre 1895: „Sie können darauf rechnen, dass Lueger, solange ich regiere, als Bürgermeister Meiner Reichshaupt- und Residenzstadt Wien niemals bestätigt werden wird.“

  • Martin Borger

    @Alexander Für Lueger der sicher in manchen wichtigen Bereichen Großes geleistet hat gibt es ja bereits zwei Denkmäler und auch ein Platz ist nach ihm benannt. Denkt man das Argument oben aber zu Ende müssten wir auch einem gewissen A. Hitler eine Straße spendieren, denn der hat uns auch Autobahnen, Kraft durch Freude und andere „Errungenschaften“ „gebracht“, wie auch heute noch gerne von Rechten lobend erwähnt wird …

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