Sozialistische (Wahl-)Kampfmethoden 10


Seit dem historischen Debakel Faymanns am SPÖ-Parteitag schlagen die Genossen aus der Löwelstrasse wie Ertrinkende um sich. Das äußert sich nicht nur in der Brutalität der Angriffe, sondern vor allem in deren mangelnder Professionalität.

Beispiel 1: Kräuters tiefer Fall

Sonntag abend, Primetime. Fast ganz Österreich sitzt gebannt vorm Fernseher und beobachtet den Rekordsprung von Felix Baumgartner, hält den Atem an, als er ins Trudeln gerät, atmet erleichtert auf, als er sicher und cool am Boden landet. Glückwünsche trudeln schnell ein, vom Bundespräsidenten über den SPÖ-Chef bis zu Vizekanzler Spindelegger. Das wird durchwegs goutiert, schließlich war Baumgartner „einer von uns“ und wir freuen uns gern gemeinsam.

Freilich kann man auch so einen schönen Anlass für etwas „Dirty Campaigning“ nutzen:

Was genau Frau Brigitte Chouéki an der Gratulation an Felix Baumgartner so erregt hat, hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Die Tatsache, dass sie als Lektorin der Vereinszeitschrift des SPÖ-Verbands Österreichischer Arbeiter-Fischerei-Vereine tätig ist, ist also vermutlich ebenso ein Zufall wie die Tatsache, dass deren Präsident SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter ist. Wir nehmen also einmal diese unparteilich-objektive Bürgermeinung aus der Löwelstraße zur Kenntnis.

 

Beispiel 2: Unser (SPÖ-)Heer

Bei der Kampagne gegen Wehrpflicht und Zivildienst zieht die SPÖ alle Register. In ihren Themenwochen steht diesmal die Anzahl der einziehbaren Wehrpflichtigen an der Tagesordnung. Dazu heißt es auf der Homepage:

Dieses Argument wird nun konsequent von der SPÖ überall durchgezogen. Und da man in der SPÖ bei den eigenen Mitgliedern offensichtlich nicht wirklich motiviert ist, ein Berufsheer einzuführen, werden hauptamtliche Mitarbeiter dafür eingesetzt. So twittert Paul Aigner vulgo pablodiabolo:

Nach ausführlicher Beantwortung der Frage wechselt pablodiabolo dann auf die Facebook-Seite des Pro-Wehrpflicht-Vereins „Einsatz für Österreich“ und postet mehrfach ähnliche Kommentare.

Offensichtlich hat auch hier das selbe Frage-Antwort-Spielchen wie auf Twitter stattgefunden. Spannend habe ich dann aber gefunden, was der Moderator der Facebook-Seite aufgebracht hat. Denn Paul Aigner ist nicht einfach ein besorgter Bürger. Paul Aigner ist bei der Firma „Datenwerk“ für Social Media zuständig (s. Homepage).Und die Firma Datenwerk ist – vorsichtig ausgedrückt – im „SPÖ-Umfeld“ angesiedelt, hat diverse SPÖ-Homepages von der SPÖ Wien über die Kampagnenseite „Campa“ und rote Blogs bis zur Homepage von Heinz Fischer gestaltet.  Die Firma Datenwerk selbst geht aus der Community Black°Box hervor, die von Akteuren der Sozialistischen Jugend gegründet wurde. (Kleiner Irrtum, eine Verwechslung von DatenWerk und Datenwerk.) Und dass Datenwerk nun auch die SPÖ-Anti-Wehrpflicht-Kampagne betreut, wird nicht einmal von einem Vertreter der Firma dementiert.

Also, liebe Kollegen aus der Löwelstraße: Wenn Ihr schon Kampfposter los schickt, dann geht doch bitte ein bisschen weniger primitiv vor. Auf die Art, wie Ihr es macht, ist es einfach zu offensichtlich. Und es zeigt auf´s Neue: Wenn man die eigenen Aktivisten von einer Idee nicht überzeugen kann, reicht es eben nicht, virtuelle Freunde und hauptamtliche Kampfposter einzukaufen.


Kommentar verfassen

10 Gedanken zu “Sozialistische (Wahl-)Kampfmethoden