Neue Lage: 6 Tage: An der Grenze herrscht Krieg 4

Das Bundesheer im Juni 1991 an der slowenischen Grenze (c) Bundesheer

1991 war für mich in mehrfacher Hinsicht ein absoluter Cut. Eben erst erwachsen geworden und meinen Vater verloren stand nun der nächste Schritt in die brutale Realität bevor. Es war ein Freitag Ende Juni, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt. Wir alle hatten uns schon auf ein schönes Wochenende daheim gefreut. Weit gefehlt.

Unser Kommandant, Oberst H., ließ uns alle in den Lehrsaal zusammenrufen. Krieg in Jugoslawien. Ausgangssperre. Ernstfall. Irgendwie ein seltsames Gefühl. So seltsam das jetzt klingt, aber unser größtes privates Problem war: Wie kann ich´s jetzt der Familie zu Hause mitteilen? Handies gab´s noch nicht und die Münzfernsprecher waren versiegelt worden. Jeder Kontakt nach draußen verboten.

Für uns in der Nachrichtenoffiziersausbildung galten besonders starke Sicherheitsvorkehrungen. Wir waren direkt dem Ministerium unterstellt und sollten bei der Nachrichtenauswertung noch eine wichtige Aufgabe bekommen. Der Zugang wurde noch strenger als bisher geregelt. Zwischen dem Ministerbüro und dem Kommandanten liefen hektische Telefonate.

Unterdessen wurde es ernst mit den strengeren Sicherheitsvorkehrungen. Rund um die Kaserne wurde Stacheldraht aufgezogen, alle Tore geschlossen. Die Waffen der Wache waren geladen und entsichert(!), jederzeit wurde mit einem Eindringen „subversiver Kräfte“ gerechnet. Vor jedem einzelnen Gebäudeeingang wurden Stellungen eingerichtet, Sicherung mit Sandsäcken. Verstärkung der Bewachung. Ausgabe scharfer Munition.

Weniger als 50 Kilometer entfernt schlugen die ersten Bomben ein, wurde scharf geschossen, starben Menschen. Auch Österreicher. Herrschte Krieg.

Die Zeit der harmlosen Planspiele, der theoretischen Bedrohungslagen und der K-Munition war vorbei. Der Krieg, den wir nur aus dem Geschichtsunterricht und Erzählungen der Eltern gekannt hatten, klopfte laut und vernehmlich an die Tür.


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