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Arbeit 4.0: Ein symbolisierter Kopf, dessen Inneres aus Zahnrädern besteht

Frisst die Digitalisierung die menschlichen Arbeitsplätze auf? Haben wir bald eine „Zwei Klassen Arbeitswelt“? Wie kann die Schule auf das digitale Leben vorbereiten? Spannende Fragen der „Arbeit 4.0“, viele davon beim Workshop zu „Sozialstaat neu denken“ an der Politischen Akademie unter Sebastian Kurz gestellt. Dazu ein paar Überlegungen aus dem Workshop und meine Inputs dazu.

Arbeit 4.0: Ersetzt die Maschine den Menschen?

Eine spannende Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt – und eine Frage, die meist emotionell statt sachlich diskutiert wird. Menschen haben immer Angst, von „Neuem“ verdrängt zu werden. Aber weder das Internet, noch die Dampfmaschine, der Telegraf, das Fließband oder der Leiterwagen haben die Menschheit arbeitslos gemacht. Freilich: Blauäugig darf man die Herausforderungen der Zukunft nicht betrachten. So hat Karl Nehammer von Arbeitern in Logistikzentren von Amazon berichtet, die einfach nur vom Display ihres Geräts ablesen, was sie wo zu holen und wohin zu transportieren haben: „Die Maschine steuert den Menschen!“ Und, Angst bekommen?

Völlig unnötig, und dennoch müssen wir uns gewisser Gefahren bewusst werden. Wir steuern auf eine Zwei-Klassen-Arbeitswelt zu: „Einfachere Tätigkeiten“, in denen Menschen zu subalternen Gehilfen automatisierter Systeme werden. Und sogenannte „hochwertigere Tätigkeiten“, die die Menschen fordert und hohe Qualifikation nötig macht.

Nein, es erscheint mir unwahrscheinlich, dass wir durch die neuen Technologien vor einer nie gekannten Massenarbeitslosigkeit stehen, dass Arbeitslosigkeit eher die Regel als die Ausnahme sein wird. Das Fernsehen hat das Theater nicht zerstört – sondern den Aktionsradios erweitert. Egal ob Filme, Fernsehsendungen, Serien, Shows: Schauspieler, Techniker, Maskenbildner haben nicht ihren Job verloren, sondern können aus einem breiten Spektrum neuer Arbeitsorte wählen. Genauso wenig sterben Journalisten, sterben Gatekeeper aus. Doch sie werden zurückgedrängt zugunsten neuer Formen des Online-Gatekeepings, neue Formen und ein neues Verständnis von Journalismus. Das bedeutet freilich auch, dass heute andere, intensivere und hochwertigere Qualifikationen gefragt und zwingend erforderlich sind, um in einer besseren Arbeitswelt, mit „Arbeit 4.0“, zu reüssieren.

Arbeit 4.0: It´s the education, stupid!

Arbeit 4.0, Bildung 4.0: Lehrerin mit Schülern mit Notebooks in einer BibliothekBasis dafür ist freilich eine hochwertige Aus- und Weiterbildung sowie lebenslanges Lernen. Wer heute meint, einen sicheren Job zu haben und keinen Bedarf sieht, an laufenden Weiterbildungen teilzunehmen, wird bald von jüngeren, besser und aktueller ausgebildeten Kollegen verdrängt werden und sich mangels entsprechender Fortbildung als „unvermittelbar“ in den Reihen des Arbeitslosenheers wiederfinden.
Freilich gilt das auch für die Ausbildung von Kindern in der Schule, von Studenten an Universitäten und Fachhochschulen und für Lehrlinge. Und hier stehen wir vor zwei Herausforderungen: Wir müssen Bildungsschwerpunkte völlig neu definieren und neue Kompetenzen in den Lehrplan aufnehmen.

Die Idee, eine Programmiersprache als Fremdsprache in den Lehrplan aufzunehmen, ist absolut bestechend. Freilich darf es nicht irgendeine Eintagsfliege sein, die nach Beendigung der Schulzeit längst nicht mehr in Verwendung ist. Es geht auch nicht darum, dass der Schüler am Ende seiner Ausbildung perfekt programmieren kann. Vielmehr muss ein Grundverständnis für Abläufe, technische Gegebenheiten und digitale Logik entwickelt werden.

Hauptthema ist freilich die generelle Online-Kompetenz. Natürlich ist es schwierig bis unmöglich, dass auf diesem Gebiet ahnungslose Lehrer jenen Schülern digitale Kompetenz vermitteln, die den Umgang mit Smartphone, Tablet und Social Media quasi „mit der Muttermilch aufgesogen haben“. Jedes Kleinkind, sogar manche Babys, beherrschen heute einfachste Regeln der Smartphone-Bedienung: Wischen, auswählen, Video starten: Das ist für einen 2-jährigen heute eine alltägliche Selbstverständlichkeit. Gib so einem kleinen Kind ein Handy in die Hand und du hörst den Rest des Tages waaaaahnsinnig tolle Lieder von kleinen Traktoren und Dampflokomotiven, „fluffy little unicorns, dancing on rainbows“ (jaja, die 24-Stundenversion) oder „five little monkeys“, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben, als aus dem Bett zu fallen.

Was also können Lehrerinnen und Lehrer solchen Kindern noch beibringen? Nun, im Regelfall des heutigen Schulsystems: gar nichts. Denn die meisten von ihnen beherrschen die wichtigsten Social Media Plattformen nicht. Und das Bildungsministerium stellt entgegen jahrelanger Versprechungen noch immer nicht einmal die nötigen Arbeitsgeräte, Notebooks oder Tablets zur Verfügung. Die Lehrerinnen und Lehrer selbst haben oft weder die Scheu vor den „Neuen Medien“ überwunden, noch die entsprechende Fort- und Weiterbildung genossen (ob gewollt oder ungewollt spielt keine Rolle – wo bei mir auch nicht bewusst ist, wie viele Kurse für Lehrpersonal zu Snapchat, Instagram & Co. angeboten werden).

Grundvoraussetzung ist also, dass Lehrer – mehr noch als viele andere Berufsgruppen – lebenslanges Lernen praktizieren und stets auf dem neuesten Stand sind.

Bildung des „digitalen Ich“

Dann muss es Lehrerinnen und Lehrern gelingen, Kindern die nötige digitale Kompetenz vermitteln. Und nein, da geht es nicht darum, dass sie ihren Schülerinnen und Schülern zeigen, wie Snapchat geht (was für ein absurd-amüsanter Gedanke), sondern darum, ihnen etwa das nötige Rüstzeug für das „digitale Ich“ mit auf den Weg zu geben: Denn richtigen Umgang mit den eigenen Daten, die eigenen Rechte und Pflichten, Datenschutz, die Frage, die Vorteile, das Richtige zu posten und die Gefahren, sich durch unüberlegtes Agieren seine Zukunft zu zerstören. Aber auch das müssen die Lehrer erst selbst lernen. Dann, und nur dann, können wir künftig sagen „Non scholae sed vitae discimus!“.

Wir haben – wie viele andere Generationen vor uns – herausfordernde, spannende und riskante Zeiten vor uns. Der Arbeitsmarkt, wie wir ihn kennen, wird sich – wieder einmal – von Grund auf verändern – hin in Richtung „Arbeit 4.0“. Und es wird – wieder einmal – an uns liegen, ob wir mithalten können oder auf der Strecke bleiben. Genug gesudert, freuen wir uns gemeinsam auf eine spannende Zeit und packen wir´s an!

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