Nein, für viele war das Leiden nach dem 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation Nazi-Deutschlands nicht vorbei. Über drei Millionen Sudetendeutsche wurden vertrieben – darunter meine Mutter und ihre Familie, über 300.000 Sudetendeutsche wurden ermordet. Viele Österreicher sind in der Besatzungszeit den Schergen von Stalin & Co. zum Opfer gefallen. Und für den „Ostblock“ begann wenig später ein halbes Jahrhundert Leiden unter der kommunistischen Diktatur.

V-Day II

Trotzdem ist dieser 8. Mai ein Freudentag, denn an diesem Tag hat ein grauenvolles Regime sein Ende gefunden. Kein Mensch, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, kann vollen Ernstes trauern, dass wir heute nicht unter einem nationalsozialistischen Terrorregime leiden. Viele von uns wären ohnehin gar nicht erst geboren worden. Und das haben wir jenen zu verdanken, die im Kampf gegen den Nationalsozialismus ihr Leben riskiert und geopfert haben.

Freilich: Neben dem Gedenken an die Opfer muss es auch Zeit geben, der Gefallenen des zweiten Weltkriegs zu gedenken – zu denen auch ein Onkel von mir gehört. Aber wie kann man dafür jenen Tag wählen, an dem das unbändige Schlachten des zweiten Weltkriegs, der Massenmord der Nationalsozialisten an Millionen Unschuldigen ein Ende gefunden hat?

Dieser Tag sollte im Zeichen überparteilicher Freude stehen – und nicht vorgeschobener Trauer oder widerlicher parteipolitische Hetze. Wenn ein Grüner Funktionär an so einem Tag über einen Gottesdienst von Cartellern als „Herrenmenschen-ÖVP, die zum Kampfgebet rufen“ herzieht, ist das widerlich. Wenn die Wiener Grünen sich dahinter stellen, in dem sie das retweeten, ist das unverzeihlich und entlarvt ihre antifaschistischen Aktivitäten als billige, parteipolitische Propaganda.

Der 8. Mai ist ein Tag zum Feiern. Wir sollten ihn alle so nutzen – über alle Parteigrenzen und jeden parteipolitischen Kleinkrieg hinweg.
Grüne Entgleisung

2 Kommentare zu „8. Mai: Feiern, nicht bekriegen

  1. sind wir uns wohl fast einig: Heuchelei am 8. Mai

    http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=2352

    Wer wirklich aus der Geschichte gelernt hat, muss nicht immer nur vorführen, dass sie/er sehr wohl über historisches Wissen verfügt. Sondern sie/er ist erstens sensibel für Bereiche, in denen noch keine Aufarbeitung stattfand (es gibt nach wie vor Institutionen, auf die das zutrifft, was ein fatales und für Opfer folgenreiches Menschenbild bedeutet) und weiss zweitens, dass Handeln unter heutigen Bedingungen die Herausforderung ist.

Und Deine Meinung?