Auch heute hat die SPÖ-Kampagne nicht viel Neues gebracht. Mangels Argumenten hat man sich weiter über Hannes Rauchs Kniescheibenbruch ereifert und Schmähs zur Frauenwehrpflicht erfunden, obwohl es längst ein entsprechendes EuGH-Urteil dagegen gibt.

Zurück also zu meinem persönlichen Blick auf den Wehrdienst. Angefangen hat´s für mich im September 1990 – und es war wieder mal eine von meinen berüchtigten Spontanentschlüssen. Nachdem(!) ich an der Uni Wien Jus inskribiert hatte, habe ich mich kurzfristig umentschlossen und zwei Wochen vorm Einrückungstermin als EF unterschrieben. Prompt wurde ich nicht in Wien eingezogen sondern zweihundert Kilometer südlich in Graz. Und diese zweihundert Kilometer sollte ich in den kommenden vier Jahren noch oft fahren.

Nachdem ich also – eben erst 18 geworden – von meinen Eltern in der Grazer Gablenzkaserne abgeliefert worden war, gab´s erstmal den „Kulturschock“. Von den längsten Sommerferien meines Lebens (von Juni nach der Matura bis Ende September) ging´s erstmal in die totale Unfreiheit. Von 6 Uhr früh bis 22 Uhr abends war jede Minute eingeteilt.

Gablenzkaserne Graz: Der Eingang heute. Viel hat sich nicht geändert
Gablenzkaserne Graz: Der Eingang heute. Viel hat sich nicht geändert

Gleich in der Früh stand mal Laufen am Programm – nach vier Monaten Faulenzen und entsprechender Gewichtszunahme eine ziemliche Herausforderung. Aber Aufgeben stand nicht zur Debatte. In den ersten Monaten Grundausbildung nicht. Und als EF sowieso nicht. Dann mit dem entsprechenden Schlafmangel (nach ungewohnt durchwachter Nacht im Zwölfbett-Zimmer) ab in den Lehrsaal, Erste Hilfe, Wehrkunde, Grundausbildung. Dann wieder raus. Hindernisbahn „kennenlernen“.

Dann die erste Waffe bekommen. Das StG58. Hat alt ausgesehen. War es auch. Und extrem rostanfällig, wie wir noch bemerken sollten. Ehe es zum ersten Mal Schießen gegangen ist, hat es geheißen, die Waffe kennenlernen: Daten, Bestandteile, zerlegen und zusammensetzen. Im Dunkeln. Denn im Ernstfall hält Dir niemand die Hand, um Dir dabei zu helfen. Und wenn das Ding mal klemmt oder irgendwas nicht funktioniert heißt es, selbst Hand anlegen. Mit dem StG77 war das später einfacher. Aber das hatten wir in der Grundausbildung noch nicht zur Verfügung.

Es waren ziemlich heftige drei Wochen am Anfang meiner Grundausbildung. 6-Tage-Woche, nur Samstag Mittag (im Idealfall) bis Sonntag Abend Ausgang. Zeit, um nach Wien zu fahren, Wäsche zu waschen und ab zurück. Und es war eine Zeit, in der ich als zugegebenermaßen ziemlich verwöhnter Sohn eines Uni-Professors das erste Mal gelernt habe, dass das Leben nicht immer ein Honiglecken ist. Dass man auch Höchstleistungen bringen muss, wenn es einem echt dreckig geht. Und dass man auch dann noch mehr leisten kann, wenn man denkt, man ist einfach schon am Ende. Nach zweieinhalb Wochen war die erste Krise überstanden. Und 7 Kilo weg. Aber das war erst der Anfang…

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