Die Zeilen, die ich jetzt schreibe, fallen mir persönlich schwer, handeln sich doch von einem der schlimmsten Augenblicke meines Lebens. Das sei nur vorausgeschickt.

Es war einer der ersten Kurse, die wir beim Bundesheer absolviert haben: Erste Hilfe. Zugegeben, einen Kurzkurs hatte es schon beim Führerschein gegeben. Jetzt aber ging es 16 Stunden nur um das Thema. Blöd rumsitzen gab´s diesmal nicht, jeder musste mitmachen, selbst üben, wurde geprüft. Damit ist bei allen etwas hängengeblieben. Und wie rasch ich diese Kenntnisse brauchen sollte, habe ich damals freilich noch nicht geahnt.

Es war Donnerstag, der 25. Oktober 1990. Der Tag vor dem Nationalfeiertag. Wir hatten nach der Angelobung frei bekommen und so war ich schon am Donnerstag zu Hause. Mein Vater hatte mich mit meiner Mutter vom Bahnhof in Wien abgeholt. Dann legte er sich nieder, fühlte sich nicht wohl. Sicher ist sicher, er war ja herzleidend.

Einige Zeit später kam ich ins Schlafzimmer, um ihn zum Essen zu holen. Der Schock war groß: Mein Vater lag ausgestreckt am Bett und rührte sich nicht. Keine Atmung, kein Puls. Herzstillstand. Schock. Verzweiflung. Hilfeschrei. Während meine Mutter versuchte, die Rettung zu rufen (was beim Viertelanschluss des Telefons nicht gleich gelang) und mein Bruder die Nachbarin holte, die gerade Medizin studierte, begann ich mit der eben erst gelernten Reanimation. Herzmassage, Beatmung. Immer im richtigen Rythmus. Bis die Nachbarin übernahm und die Rettung kam.

Ich werde diesen Moment nie vergessen. Den Moment der Verzweiflung. Das Gefühl, doch nicht ganz hilflos zu sein. Und die Dankbarkeit, etwas gelernt zu haben, das mir weiter geholfen hat. Das erste Mal im Leben etwas wirklich Lebens-Wichtiges.

Mein Vater hatte den Herzstillstand nicht ganz unbeschadet überstanden. Er war doch vorübergehend ohne Sauerstoff geblieben. Aber er überlebte. Und ich hatte die schmerzliche, aber etwas tröstliche Chance, noch von ihm Abschied zu nehmen, etappenweise, aber mit dem Gefühl, noch gesagt zu haben, was bis dahin ungesagt geblieben war.

Ich habe im Leben viel gelernt, wenig davon gebraucht und noch weniger als unverzichtbar empfunden. Dass ich aber in diesen Oktoberwochen in der Gablenzkaserne genau jene Techniken gelernt habe, um meinem Vater wenigstens einige Monate seines Lebens zu retten, gehört zu jenen glücklichen Zufällen, die nur das Leben selbst schreiben kann. Und dafür bin ich einfach nur dankbar.

2 Kommentare zu „Neue Lage: 9 Tage: Schmerzliche Lebensrettung

Und Deine Meinung?