Lieber Kurt!

Dein letztes Posting auf Facebook war ein Posting aus einer besseren Welt: „Ich sage leise Lebewohl.“ Ein öffentlicher Mensch, der jede Phase seines Lebens mit uns geteilt hat, ja sogar die Bekanntgabe seines Tods minutiös vorbereitet hat – das warst Du.

Du warst nur wenige Tage jünger als ich – und dennoch ist DEIN irdisches Dasein schon vorbei. Ich fasse das einfach nicht. Zu einem Zeitpunkt, zu dem ich so viel angefangen und so wenig beendet habe, hattest Du bereits Frau und Tochter, warst einer der bekanntesten Journalisten Österreichs und hattest doch noch so viel vor. Es ist für mich einfach unfassbar und unvorstellbar, wie es in unserem Alter sein muss, zu wissen, dass alles vorbei ist. Aus, das war´s auf dieser Welt. Mehr geht nicht.

Ja, auch wenn es immer heißt „de mortui nihil nisi bene“ muss ich Dir sagen, wie bewusst mir ist, welche Welten uns oft getrennt haben. Ja, Du hattest Deine eigene Meinung von Politik und Politikern. Und ja, ich habe Deine Methoden und Dein Vorgehen oft genug nicht für richtig gehalten. Ich habe hier andere Grenzen gezogen als Du – und war mir doch stets bewusst, dass es Aufdecker wie Dich als „vierte Macht“ im Staat einfach braucht. Und dass sie bei ihrem Vorgehen oft nicht zimperlich sein können. Ja, man kann auch bei Methoden und Ergebnis nicht immer einer Meinung sein. Und es gibt Stories, da war unser Dissens mehr als offensichtlich. Aber mit Dir, lieber Kurt, konnte man darüber trefflich streiten – und sich danach doch noch gegenseitig in die Augen schauen.

In diversen privaten Facebook-Chats habe ich mehr von Deiner Arbeit und Deinen investigativen Tätigkeiten auch im nicht-politischen Bereich erfahren. Es waren sehr persönliche Einblicke, mit denen mir der Journalist Kurt Kuch, mit denen Du mir ein völlig neues Bild des Journalismus und Deiner investigativen Tätigkeiten gebracht hast, wie wenig klassische Büroarbeit, wie viel Psychologie und persönliche Kontakte, persönlicher Einsatz dabei nötig sind. Und wie oft dabei Grenzen überschritten werden. Es war ein persönlich wertvoller Austausch, an den ich mich stets erinnern werde.

Und gerade deshalb war es mir wichtig, dass Du Dich dann auch bereit erklärt hast, an der Donau-Universität Krems, beim Lehrgang „Politische Kommunikation“ für ein Kamingespräch zur Verfügung gestanden bist. Als es dann am 27. Februar dazu gekommen ist, ist meine Mutter  (die genau heute 73 Jahre alt geworden wäre) durch den Hirntumor bereits ans Bett gefesselt gewesen. Auch darüber habe ich mit Dir gesprochen, über den Krebs und wie schlimm er ist. Und Du hast noch erzählt, dass Du eben mit dem Rauchen aufgehört hast. Von drei Packln am Tag auf Null. Hut ab, habe ich mir gedacht. Hauptsache rechtzeitig, hast Du gemeint. Wer hätte geahnt, dass es da schon zu spät war.

Als Du dann mit den vermeintlichen Bandscheibenproblemen ins Spital gekommen bist, war das böse Erwachen schnell da. Selten habe ich Dich so sprachlos und verzweifelt erlebt. Umso mehr habe ich bewundert, mit welcher Kraft Du gegen den Krebs gekämpft hast, wie Du ihn trotz aller Metastasen anfänglich auch besiegt hast. Da hatte ich mir noch gedacht: Der Krebs hat meine Mutter besiegt, jetzt zeigt´s der Kurt dem Krebs! #fuckcancer

Doch es war so trügerisch. Wie bei meiner Mutter, als auf ersten Bildern ein Rückgang des Tumors erkennbar war – drei Monate, bevor sie verstorben ist. Doch Du hast weiter gekämpft. Hast Dein Leben dem Kampf gegen das Rauchen gewidmet. Was Dir widerfahren war, sollte anderen erspart bleiben. Dein öffentlicher Leidensweg hat viele zum Umdenken gebracht. Und Du wirst vielen hoffentlich noch lange als mahnende Galionsfigur in Erinnerung bleiben im Kampf gegen die verheerenden Folgen des Rauchens – auch wenn Du selbst es nicht mehr aus dem Diesseits mitbekommst.

Lieber Kurt, mein Glaube, letzter Rettungsanker in einer schweren Zeit, sagt mir, dass Du uns nur in eine bessere Welt vorangegangen bist – so wie meine Mutter vor nunmehr einem halben Jahr. Ich wünsche mir, dass Ihr wie alle unsere Lieben, die uns vorangegangen sind, aus dieser besseren Welt froh und wirklich glücklich auf uns herabblickt und Euch denken könnt: Egal, wie lange wir auf dieser Welt verweilt haben: Es hat sich gelohnt. Wir haben Spuren hinterlassen, die diese Welt zu einer besseren gemacht haben. Jeder in seinem Bereich – egal, wie groß oder klein er war, egal, wie viele Fehler dabei gemacht wurden. Und wir Hinterbliebene werden Euch zu Recht nie vergessen!

 

4 Kommentare zu „Lebewohl, Kurt! Ein offener Brief in eine bessere Welt…

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