Wer kennt ihn noch, den Großwesir Isnogud, der ständig „Kalif anstelle des Kalifen“ werden wollte? Nun, ganz ähnlich dürfte es derzeit einem gewissen Mark Zuckerberg gehen, der mit Facebook gerne „Internet an Stelle des Internet“ wäre. Und so weit davon entfernt, wie man denken sollte, ist Mark gar nicht so weit von seinem Ziel entfernt, wie wir jetzt annehmen sollten.

Für viele Userinnen und User ist nicht klar, dass Facebook eigentlich Teil des Internet ist. So wundert es wenig, dass es in manchen Ländern mehr Facebook- als Internet-User gibt (was ja rein technisch gar nicht möglich ist). Das bedeutet freilich auch, dass viele User in einer „Facebook-Blase“ leben, in der nicht das WWW, sondern Facebook – egal ob Homepage oder App – ihre wichtigste Anlaufstelle ist. Wollen also e-commerce-Anbieter dieses Publikum erreichen, müssen sie in diese Blase eindringen, müssen sie direkt dort ihre Produkte an den Mann bringen.

Marks „Facebook-Family“

Das will Mark Zuckerberg nun nutzen. Er hat heute auf der #f8, der Facebook Developer Conference, den nächsten großen Entwicklungsschritt präsentiert. Facebook war früher eine singuläre Plattform. Heute spricht Mark Zuckerberg von der „Facebook-Family“, bestehend aus Facebook, Facebook Groups, WhatsApp, (Facebook) Messenger und Instagram. Und genau hier setzt Zuckerberg an und will mit einer SDK externe Entwickler Apps basteln lassen – eigentlich Add Ons. Begonnen wird das Experiment mit Messenger. Hier gibt es zwei Varianten: Die „Jux-Variante“, die derzeit in erster Linie aus Apps für animierte Gifs besteht, und den „Messenger Business“ für den e-commerce. Dort soll ein kompletter Kauf von Bestellung über Bezahlung und Versandverfolgung (realtime auf Karten) integriert werden. Erklärtes Ziel ist das Ersetzen des E-Mail-Verkehrs beim Shoppen durch den Messenger. Facebook möchte also nicht mehr und nicht weniger als Online-Käufe vom Internet in die Facebook-Blase holen, also „Internet anstelle des Internet“ sein.

Ganz in diese Richtung zielen auch weitere heute angekündigte Entwicklungen ab: So soll etwa medialer Content statt auf der Seite des Mediums künftig (auch) direkt auf Facebook gepostet werden. Um die User dazu zu bewegen, verstärkt Videos direkt auf Facebook hochzuladen statt aus YouTube zu teilen, wird es ab sofort möglich sein, Facebook-Videos auf der eigenen Homepage einzubetten. Und Facebook-Kommentare sind künftig in Echtzeit auf externen Internet-Seiten einbindbar.

Und um die Geräte-übergreifende Dominanz auch für Werbekunden entsprechend nutzbar zu machen, gibt es künftig ein cross-device App Analytics.

Virtuelle Zukunfts-Visionen

Mark Zuckerberg hat auch seine spezielle Vision der Zukunft präsentiert. Auf der „Timeline“ der Facebook-Entwicklung beginnt die Hauptinteraktion mit Textbotschaften, steht heute im Sinne des „iconic turn“ bei Bildern, wird in 4 Jahren bei Videos ankommen und schließlich bei virtual / augmented reality landen. Einen Vorgeschmack darauf bieten die „spheric videos„, die nun in der Facebook-Timeline eingebettet werden können. Es handelt sich dabei um 3D-Videos, in denen der User virtuell herumspazieren kann, analog zu den 360 Grad Videos auf YouTube. Und in Zukunft sollen diese virtuellen Spaziergänge nach Marks Vorstellungen mit der „Oculus Rift“ unternommen werden. Brave new Facebook World. Realität ist ja so etwas von vorgestern.

Ein weiterer Schwerpunkt ist für Zuckerberg das „Internet der Dinge“, quasi das „Web 4.0“. Hier gibt es von Facebook eine eigene SDK für das „Internet of Things„. Wie so schön auf der #f8 angepriesen ist es also damit möglich, dass ich via Facebook meine Garage öffne und eine App-Nachricht bekomme, wenn die Garage wirklich offen ist. Damit ich nicht durch das geschlossene Tor fahre also. Oder damit ich wenigstens mitbekomme, wenn jemand meinen Facebook-Account gehackt hat und so in meine Garage spaziert. Als Nicht-Garagen-Besitzer werde ich das zugehörige Gebäude freilich erst per Messenger ordern müssen…

Mark Zuckerbergs Expansions-Strategie zeigt also Wirkung. Von Whatsapp bis Instagram hat er mögliche Konkurrenten in guter alter Bill Gates Manier aufgekauft und die „Facebook-Family“ so zu einer Art „Parallel-Web“ gemacht. Jugendliche, die in den USA nicht mehr so häufig auf Facebook aktiv sind, holt er mit dem Messenger mit den neuen Shopping und animated-gif Goodies oder via Whatsapp ab. Und für Werbekunden hat er „Live Rail“ für die Monetarisierung von Videos gekauft und baut die Werbemöglichkeiten dort mit Hilfe der anderen Mitglieder seiner „Facebook Family“ geräteübergreifend aus.

Trends kommen und gehen – Zuckerberg bleibt

Ein Ende der Expansion von Zuckerbergs Imperium und damit einhergehender Monopolisierung ist nicht in Sicht. Ob aber alle Zukunftsvisionen mit verwackelten 3D-Videos und überdimensionalen Virtual Reality Brillen angenommen werden, steht auf einem anderen Blatt. Die Zukunft bleibt spannend. Dass Mark Zuckerbergs Imperium dominanter Bestandteil sein wird, ist aber heute schon sicher…

6 Kommentare zu „Facebook als „Internet an Stelle des Internet“ #f8

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