Ob Apples Emoji-Keyboard oder das Android Wear Update mit gezeichneten Emojis statt Textantworten: Die Sprache wird in der virtuellen Welt mehr und mehr von Bildern abgelöst, wie ich es schon in meiner Bakk-Arbeit „Die Demokratisierung des ‚iconic turn‘ durch das ‚Web 2.0‚“ vor über fünf Jahren vorausgesagt habe. Text und Realität werden durch Abbild und virtuelle Welt ersetzt, so dass man Willibald Sauerländers „Bitte um Ikonoklasmus“ (also vereinfacht ausgedrückt „Verzicht auf Bilder“) mehr und mehr etwas abgewinnen kann.

Jakob Steinschaden geht sogar so weit, zu behaupten, dass die Bilder drauf und dran wären, die Schrift abzulösen. Nun, das klingt mir vielleicht doch ein wenig zu utopisch, auch wenn man nie weiß, was die Verstärkung Kommunikation per Video zur Folge haben wird. Denn ganz ohne Text werden wir – zumindest auf absehbare Zeit – nicht auskommen. So sind etwa, die Memes, die sich in den letzten Jahren immer stärker durchsetzen, Bilder, die ihren besonderen Reiz aber erst durch die Kombination mit dem Text erhalten. Das Bild allein sagt noch gar nichts.

Auch das neue Update von AndroidWear® springt auf diesen Trend auf. Da das Tippen auf einer Smartwatch-Tastatur eine nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellt, wird es künftig möglich sein, als Antwort auf Nachrichten einfach ein Emoji zu zeichnen. Und die Smartwatch wandelt die Zeichnung dann in ein maschinenlesbares Emoji um.

Freilich ist auch das kein kompletter „iconic turn“. Denn die Zustimmung über ein Like oder das Mitfreuen über ein Smiley anzudeuten setzt voraus, dass davor eine Nachricht gekommen ist, auf die reagiert werden kann.

Bleibt die Frage, was der „iconic turn“ zur Folge haben wird. Böse Zungen sprechen schon jetzt von einem „neuen Analphabetismus“. Wie viel dabei zu verlieren ist, ist in einer virtuellen Welt, in der über Abkürzungen wie „u5uxx!“ oder „BRB“ kommuniziert wird, freilich durchaus hinterfragenswert.

Und wir dürfen die positive Seite des „iconic turn“ nicht außer Acht lassen. Denn gerade die Sprache ist oft mehr Barriere als Brücke zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Und die Kommunikation über emotionale Bilder gekoppelt mit über Emojis ausdrückten Formen der Anteilnahme, Zustimmung oder Verstärkung kann grenzüberschreitend und völkerverbindend wirken.

Die neue Welt der Bilder wird immer stärker kommen – egal, ob es uns recht ist, oder nicht. Es liegt aber letztendlich an uns, das Beste daraus zu machen.

 

 

3 Kommentare zu „„Iconic Turn“: Emotionalisierung oder Analphabetismus?

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