Mit ihrer Verhinderung der Ökostrom-Novelle hat sich die SPÖ in ein schwarzes Loch der PR manövriert. Eventuelle Argumente, die noch vorgebracht werden, haben keine Chance mehr, wahrgenommen zu werden. Woran liegt das?

Ökostrom: Gegner selbst mit der Lupe schwer zu finden

Die öffentliche Diskussion, Medienberichte und Debatten auf Social Media drehen sich meist um eine einzige, prägnante Botschaft. Die Botschaft wird in diesem Fall auf „Die SPÖ ist gegen Ökostrom“ reduziert. Auch die Tatsache, dass alle anderen Parlamentsparteien für die Novelle waren hilft nicht unbedingt bei der Argumentation. Bei dem, was danach an Argumentation und Rechtfertigungsversuchen kommt, hat der Großteil der Rezipienten bereits abgeschaltet. Doch gegen den Ökostrom zu sein steigert den Beliebtheitswert in etwa so stark wie die Forderung nach einer vollen Besteuerung des 13. und 14. Gehalts.

Warum dann dagegen stimmen?

Die SPÖ hat derzeit ein massives Problem: Sie wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Der groß angekündigte Aufstand der Arbeitnehmer bei der AK-Wahl ist zu einem lauen Mailüfterl verkommen. Die Parteichefin ist medial die meiste Zeit auf Tauchstation und hat nicht einmal den Urlaub des Regierungsteams für sich nutzen können. Was die Sozialdemokraten also dringend brauchten, war der mediale Aufmerksamkeit und der Beweis, dass sie noch etwas bewirken können. Beides ist durch diesen Coup gelungen. Die Frage, ob ihnen das etwas genutzt hat, entspricht der Frage, ob PR immer gut ist – egal, ob gut oder schlecht. Hauptsache, man kommt vor. Meiner Einschätzung nach gibt es fast keinen Fall, in dem negative PR unter dem Motto „Aufmerksamkeit ist alles“ etwas Positives hat.

Was bleibt?

Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, wird sich die Frage stellen, was die Verhinderung der Ökostromnovelle zur Folge hat. Hier nur ein paar Beispiele:

  • Für Ökostrom-Bezieher wird es empfindlich teurer.
  • Viele Betriebe müssen schließen.
  • Hunderte, wenn nicht gar tausende Arbeitsplätze gehen verloren.
  • Statt Ökostrom selbst zu produzieren, muss Österreich jetzt mehr Atomstrom importieren. Ökostrom wird also durch Atomstrom ersetzt.

Man mag über Details der gescheiterten Novelle unterschiedlicher Ansicht sein. Die Frage ist nur, was beim Bürger ankommt. Dieser wird rasch merken, dass er mehr für den Strom zahlt, er selbst oder Bekannte arbeitslos werden und der Umstieg auf Ökostrom aufgrund der gestiegenen finanziellen Belastung doch nicht mehr ganz so attraktiv ist.

Rotes Wien als Leidtragender

Ein besonderes Problem hat ausgerechnet das rot-grüne Wien. Hier wird Europas angeblich größtes Biomassekraftwerk wohl im Sommer stillgelegt werden müssen. Wie die SPÖ dann argumentiert, dass sie selbst den für die Schließung verantwortlichen Beschluss verursacht hat, wird spannend. Es wird nicht leichter als der Rest der aktuellen PR-Herausforderung der SPÖ.

 

 

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