Ö2020: Bauchfleck mit Anlauf
Posted By Gerhard W. Loub on 27. Februar 2010
Mit großem Trara hat die SPÖ ihre tolle neue Web 2.0 Initiative “Österreich 2020” angekündigt. Nun ist es mit knapp einem Monat Verspätung so weit. Und gespannt habe ich darauf gewartet, ob die SPÖ nun endlich die Zeichen der Zeit erkannt, das “Web 2.0″ verstanden hat.Denn der erste Eindruck der von der SPÖ-Agentur “Echonet” programmierten Homepage war überaus positiv: Übersichtliches, klares Design, gespickt mit Elementen des Web 2.0.
Doch der zweite Blick zeigt: Die SPÖ ist teils nach dem Copy-Paste-Verfahren vorgegangen, teils ist es einfach nur Show. So, wie wir 2007 Blogger im Vorfeld unserer Aktionen und beim Parteitag in Salzburg integriert haben, hat das nun auch mit knapp 3 Jahren Verspätung die SPÖ nachgeholt. Doch gleich hier ein kleiner Unterschied: Während wir kritische, linke Blogger eingeladen hatten, hat sich die SPÖ die üblichen “Jubelperser” aus der eigenen politischen Hemisphäre geholt und so für ein paar nette Claqueure in der Blogosphäre gesorgt. Auch auf den Titel “Perspektiven2010″ drei Jahre später mit “Österreich2020″ zu kontern zeugt nicht gerade von überbordendem Einfallsreichtum.
Mager ausgefallen ist die Realisierung der im “Web 2.0″ üblichen Tagwolke, die ganz offensichtlich von unserer “Perspektiven2010″-Tagwolke abgekupfert wurde – wenn auch vom Design her reichlich minimalistisch umgesetzt. Während wir im “Web 2.0″-Sinn der gleichberechtigten Beteiligung von User und Produzent die Tags durch die User-Beiträge bestimmen ließen, zählen bei der SPÖ ausschließlich die eigenen Parteiartikel. Da paßt es auch ganz ausgezeichnet ins Konzept, dass User den Facebook-Button “Gefällt mir” einsetzen dürfen. Dass den Diskussionsteilnehmern ein Beitrag nicht gefallen könnte, ist gar nicht erst vorgesehen. Ein interessanter Zugang zu Demokratie im Internet.
Überhaupt dürfte die SPÖ an Kontaktaufnahmen nicht sehr interessiert sein, wie ihr aktuelles Kontaktformular zeigt:

Dementsprechend lau ist das Echo der User. Nur die wenigsten inhaltlichen Beiträge dürfen derzeit kommentiert werden, und auch da gibt es genau einen(!) Themenbereich der kommentiert wurde – und zwar von exakt zwei(!) Usern. Und der Inhalt des Beitrags bringt mich gleich zum nächsten #fail:
Denn für die demonstrierte Offenheit exemplarisch steht auch der Umgang mit der Eröffnung der Aktion “Österreich2020″: Es handelte sich selbstverständlich um eine geschlossene Veranstaltung – Teilnahme nur mit Einladung. Große Forderung um die Chancen des Internet zu nutzen, das SPÖ-Konzept für den “digitalen Wohlfahrtsstaat”? Eine Frauenquote. Bürokratischer und klischeehafter hätte man kaum an die Sache herangehen können.
Österreich 2020 ist ein durchgestylter Internet-Auftritt, der verzweifelt versucht, der SPÖ durch Symbolik und Vokabular des “Web 2.0″ einen modernen Anstrich zu verleihen. Doch weder “Copy Paste” von Elementen der ÖVP-Perspektivengruppe von vor 3 Jahren noch das Übernehmen diverser aktueller Web 2.0 Elemente kann über die fehlende Fähigkeit der Sozialisten hinwegtäuschen, die Möglichkeiten des “Web 2.0″ zu nutzen, die gleichberechtigte Partizipation der User nicht als Gefahr, sondern als Chance zu sehen. Das Design der SPÖ kommt langsam im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts an. Bis die SPÖ dem folgen kann, wird noch viel Zeit vergehen.












