Die ersten Wochen der Grundausbildung in der Gablenzkaserne waren vorbei und jetzt wurde es ernst: Feldwoche war angesagt, am „Gaberl“ in der Steiermark. In 1.551 Meter Seehöhe war´s Ende Oktober nicht wirklich heimelig.

Das
Das „Gaberl“ in der Steiermark

Der Anfang hatte was von Pfadfinderlager. Gemeinsames Zelteaufstellen. Wer wirklich bei den Pfadfindern war, hat Vorteile gehabt. Also ich mal sicher nicht. Jungschar zählt nicht. Dann Latrinen Ausheben, einrichten, erste Gefechtsübung und ab ins Zelt. Selbstverständlich mit Ofen, denn dort konnte es in der Nacht wirklich kalt werden. In der Nacht musste abwechselnd „Ofenwache“ geschoben werden. Denn wenn das Zelt das Ofenrohr berührte, fing es sofort Feuer. Da war die „Wache“ unverzichtbar – und man hatte wirklich Verantwortung für Menschenleben.

Die nächsten Tage waren echt heftig. Natur pur. In der Früh mit kalten Wasser aus dem Helm waschen. Eine Runde laufen, mit kaltem Wasser abspritzen, und weiter geht´s. Irgendwann hab ich dann echt gedacht, ich brech gleich zusammen. Auf die Anstrengung direkt die kalte Dusche – das MUSS ja einen Herzinfarkt geben, so wie ich mich gefühlt habe. Und: Nichts ist passiert. Es geht halt doch mehr, als man denkt. Ausscheiden war kein Thema – in der Grundausbildung ohnehin nicht möglich.

Die nächtlichen Gefechtsübungen taten ein übriges: Kaum Schlaf, Dauerkonzentration, kalt, nass. Das war nicht mehr das behütete zu Hause. Lautes Krachen der K-Munition. Dann Stille. Stundenlang. Nur ganz, ganz weit weg entfernte Lichter. Gedanken an zu Hause. Dort wär´s jetzt schön warm, trocken, hell und gemütlich. Das erste Mal habe ich so richtig schätzen gelernt, was einem da abgeht. Das erste Mal war das alles nicht selbstverständlich.  Und das erste Mal konnte ich nicht selbst entscheiden, wann es wieder dorthin geht. Ins Tal. Ins Warme. Ins Licht.

Entfernte Lichter

Aber es war auch eine schöne Zeit – im Nachhinein betrachtet. Denn das erste Mal habe ich gelernt, was es mit dieser „Kameradschaft“ auf sich hat. Ich war nicht allein, es ging auch anderen so. Man hat sich gegenseitig aufgemuntert, Mut gemacht, angefeuert. Jeder hat dem Anderen geholfen, wo er konnte, Schwächen ausgeglichen, Stärken genutzt. Das war eine Gemeinschaft. Und am letzten Abend gab´s ein Lagerfeuer, Würstel grillen zur Belohnung. Und das erste Bier seit Beginn der Ausbildung. Eines. Mehr nicht. Und es war trotzdem lustig. Die jungen Rekruten – eben noch „harte Soldaten“ – sangen am Feuer: Kinderlieder, Titel von Kinderserien. Von Biene Maja über Nils Holgerson bis Pinocchio. Sehr skurril. Aber auch irgendwie witzig. Erleichtertes Lachen. Geschafft.

Und am letzten Tag – nach der Feldmesse – dann der Besuchstag. Die Eltern konnten das erste Mal ihren Kindern bei der Präsentation des Gelernten zuschauen: Bewunderung, Stolz auf die eigenen Kinder, ungewohnte Blicke. Die Gewehre bei strömendem Regen unter dem Regenschutz sicher. Dachten wir. Bis wir den Abend bis elf in der Nacht die StG58 vom Rost befreien durften. Und erst dann die mehrstündige Heimreise nach Wien antraten. Zum kürzesten Heim-Wochenende bisher.

StG58

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